Wirtschaft : Die Pille zur Abwehr

Verhütungsmittel Yaz erhält US-Zulassung / Weitere Anträge geplant

Maren Peters

Berlin - Der übernahmebedrohte Berliner Pharmakonzern Schering sieht seine Stellung im Abwehrkampf gegen Merck durch die Zulassung einer neuen Verhütungspille verbessert. „Das stärkt unsere Position“, sagte Schering-Sprecher Oliver Renner dem Tagesspiegel. Branchenbeobachter sehen das ähnlich. Die US- Gesundheitsbehörde FDA hatte Schering die Zulassung für die niedrig dosierte Verhütungspille Yaz erteilt, bei der Schering Spitzenumsätze von 200 Millionen Euro im Jahr erwartet. Das Mittel soll noch 2006 in den USA auf den Markt kommen.

Der Darmstädter Konkurrent Merck hatte am Montag ein Übernahmeangebot für Schering abgegeben. Das Pharma- und Chemieunternehmen bietet 77 Euro je Schering-Aktie und damit knapp 15 Milliarden Euro. Schering weist das Angebot zurück und kündigte Abwehrmaßnahmen an. Dazu gehört nach Angaben von Konzernchef Erlen auch der Versuch, den Unternehmenswert zu steigern.

Yaz gehört zur Produktfamilie der Verhütungspille Yasmin, dem zweitstärksten Produkt von Schering nach dem Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon. Mit Yasmin setzte Schering im vergangenen Jahr 586 Millionen Euro um. Yaz ist ein niedrig dosiertes Mittel, das denselben Wirkstoff wie Yasmin enthält: Drosperinon. „Die Zulassung von Yaz stärkt das Blockbuster-Potenzial unserer Drosperinon-Familie“, sagte Schering-Chef Erlen am Freitag. Als Blockbuster bezeichnet die Branche Medikamente, die einen Umsatz von einer Milliarde Euro oder mehr erzielen können. Auch Analysten beurteilten die Zulassung von Yaz positiv. Ursprünglich hatte Schering die Zulassung schon für Ende 2005 erhofft, die FDA hatte die Prüfung aber verlängert. Die Zulassung komme zum jetzigen Zeitpunkt gerade recht, sagte ein Analyst.

Schering plant bereits eine erweiterte Zulassung von Yaz für Hautkrankheiten. „Wir planen noch in diesem Jahr die Zulassung für Akne zu beantragen“, sagte Schering-Sprecher Renner. Ein entsprechender Antrag solle bei der FDA eingereicht werden. Der Kurs der Schering-Aktie legte am Freitag zunächst zu, schloss aber auf Vortagesniveau bei 82,50 Euro.

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