Wirtschaft : Die Pläne der Bundesregierung beleben das Geschäft der Branche

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Sollte das neue Steuergesetz wider Erwarten durch den Bundesrat gelangen, rechnet die Versicherungswirtschaft allerdings mit einem dramatischen Einbruchbir

Die deutsche Versicherungswirtschaft rechnet auch in diesem Jahr mit einem höheren Beitragswachstum. Maßgeblich dafür sei nicht zuletzt auch "die Diskussion um die Besteuerung der Kapitallebensversicherung durch das Steuerbereinigungsgesetz", sagte der Präsident des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Bernd Michaels. Bis zum Jahresende erwartet er ein Beitragswachstum von 3,7 Prozent auf 246 Milliarden Mark. Dabei gingen 111 Milliarden Mark - ein Plus von knapp acht Prozent - auf das Konto der Lebensversicherungen. Allein beim Neugeschäft legten sie um 35 Prozent auf 26 Milliarden Mark zu.

Bisher rechnet die Versicherungsbranche nicht damit, dass die Besteuerung von Lebensversicherungen, wie sie das vor kurzem im Bundestag verabschiedete Gesetz vorsieht, vom Bundesrat akzeptiert wird oder dass es im Vermittlungsausschuss bis Mitte Dezember zu einer Einigung kommt. "Sollte das Gesetz jedoch wider Erwarten in Kraft treten, so wird es im kommenden Jahr einen dramatischen Einbruch im Neugeschäft der Lebensversicherer geben", sagte Michaels. Doch selbst, wenn die wahrscheinlichere Variante eintritt und das Gesetz nicht verabschiedet wird, werde dies einschneidende Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf im kommenden Jahr haben, da viele Kunden den Abschluss einer Lebensversicherung noch in dieses Jahr vorgezogen hätten. Bei einer vorläufigen Einschätzung rechnet der Verband für das Jahr 2000 mit einem geringeren Neugeschäft bei Lebensversicherungen und insgesamt mit einem Branchenwachstum von einem Prozent.

Bei den übrigen Sparten der Versicherungsbranche ist das Bild für das laufende Jahr sehr unterschiedlich: Während die Private Krankenversicherung um 3,2 Prozent auf fast 39 Milliarden Mark Beitragswachstum zulegen wird, gehen die Beitragseinnahmen bei der Schaden- und Unfallversicherung voraussichtlich um 0,6 Prozent auf 93 Milliarden Mark zurück. Besonders stark fällt aufgrund des internationalen Wettbewerbs der Rückgang von 16,5 Prozent auf 2,3 Milliarden Mark bei der industriellen Feuer- und Betriebsunterbrechungs-Versicherung aus.

Auch in der Kraftfahrzeug-Versicherung halte der unerbittliche Kampf mit niedrigen Tarifen um jeden einzelnen Kunden weiter an, sagt Michaels. Die Beitragseinnahmen gingen zwar langsamer als in den Vorjahren zurück, sie schrumpften aber dennoch um 0,7 Prozent auf 38,8 Milliarden Mark. Dabei nehme erstmals seit zehn Jahren die Schadenentwicklung wieder zu. Die Situation sei dramatisch, denn der Verlust bei Kfz-Versicheren liege bei rund vier Milliarden Mark. Auch im nächten Jahr würden die Autoversicherer, trotz Tariferhöhungen von fünf bis zehn Prozent einiger Anbieter, weiter rote Zahlen schreiben.

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