Wirtschaft : Die Pleitewelle ebbt langsam ab

FRANKFURT (MAIN) (ro).Die Pleitewelle in Deutschland rollt zwar weiter, aber sie hat 1998 an Tempo verloren.Der Verband der Vereine Creditreform rechnet in diesem Jahr mit 34 200 Insolvenzen - 28 100 Firmenpleiten und rund 6 000 zahlungsunfähigen Privathaushalten.Erwartet hatte Creditreform 36 000 Insolvenzen.Während die Pleiten 1996 noch um über 14 Prozent und 1997 um fast acht Prozent zugenommen hatte, soll es in diesem Jahr nur noch ein Zuwachs um 2,4 Prozent geben.Stagnation auf hohem Niveau im Westen und eine deutliche Zunahme im Osten, so umschreibt Creditreform-Geschäftsführer Helmut Rödl die Situation.Für die nicht mehr so dramatische Entwicklung macht er die bessere Konjunkturlage mit gestiegenen Exporten und höheren Investitionen verantwortlich.

1999 rechnet Creditreform wieder mit einem stärkeren Anstieg der Insolvenzen, auf knapp 40 000 Fälle.In diesem Jahr erwarten die Experten des Inkassounternehmens im Westen 24 400 Gesamtinsolvenzen und damit einer ähnlich hohen Zahl wie 1997.Im Osten gebe es eine Zunahme um 6,7 Prozent auf rund 9 800 Pleiten."Dies ist ein Spiegel des gesamtwirtschaftlichen Geschehens, welches sich nicht, wie Anfang der neunziger Jahre noch erhofft, mehr und mehr angleicht, sondern tatsächlich weiter auseinanderdriftet", sagt Rödl.Die Misere der ostdeutschen Unternehmensstabilität lasse sich auch daran erkennen, daß im Westen auf 10 000 Unternehmen 63 Pleiten kämen, im Osten aber mit 147 mehr als das Doppelte.

Auch bei der durch die Pleiten bei Privatunternehmen, Sozialversicherungen und Finanzämtern verursachten Schadenssumme gibt es 1998 einen Rückgang von 65 auf 59 Mrd.DM.Ursache für viele Pleiten ist nach Erkenntnissen von Rödl neben der nach wie vor zu dünnen Eigenkapitaldecke die schlechte Zahlungsmoral vieler Kunden."Gerade in Ostdeutschland ist das ein absolutes Kernproblem." Die Situation auf dem Arbeitsmarkt wird auch 1998 durch die Pleitewelle belastet, auch wenn die Arbeitsplatzverluste nicht mehr so stark sind wie im vergangenen Jahr.Rund eine halbe Million Jobs geht 1998 durch Insolvenzen verloren, im Vorjahr waren es gut 50 000 mehr.

Die andere Seite der Pleiten sind Unternehmensgründungen.Insgesamt gibt es in Deutschland dieses Jahr 850 000 Gewerbeanmeldungen.Dagegen stehen 750 000 Abmeldungen, so daß netto rund 100 000 neue Unternehmen entstehen, davon 90 000 in Westdeutschland.Dadurch würden bundesweit rund 360 000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.Angesichts der Jobeinbußen durch Pleiten bleibt ein negativer Saldo von 140 000 Stellen.

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