• Die Politik entdeckt das Sicherheitsproblem im Netz - In Paris wird über internationale Lösungen beraten

Wirtschaft : Die Politik entdeckt das Sicherheitsproblem im Netz - In Paris wird über internationale Lösungen beraten

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Justiz- und Polizeiexperten sowie Fachleute der Telekom- und Computerindustrie aus den G-8-Staaten sind am Montag in Paris zu einer Tagung über Internet-Kriminalität zusammengetroffen. Die hochrangigen Fachleute aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, den USA und Russland wollen bis Mittwoch über Strategien gegen Angriffe aus dem Netz beraten. Auch in Berlin lud Bundeswirtschaftsminister Werner Müller Experten zu einem Spitzengespräch "Sichere Internet-Wirtschaft".

In Paris traten bereits am Eröffnungstag erste Differenzen zwischen den USA und europäischen Standpunkten bei der Bekämpfung der Cyberkriminalität auf. Frankreich wandte sich strikt gegen die Schaffung einer grenzüberschreitenden "Cyberpolizei", wie sie von US-Experten angeregt wird. Angesichts der verheerenden Auswirkungen des "I love you"-Virus stößt diese erste internationale Tagung auf große Aufmerksamkeit.

"Im rechtlichen Sinne gibt es kein Cyberspace", sagte der französische Innenminister Jean-Pierre Chevènement und erteilte Ideen von spezialisierten Fahndern, die international tätig werden könnten, eine Absage. Computerkriminalität könne mit bestehenden Gesetzen bekämpft werden, jedoch müssten Polizei und Justiz mobiler und schneller werden. Frankreich werde die Bekämpfung der Computerkriminialität in einem zentralen Amt zusammenfassen, das an diesem Dienstag ins Leben gerufen werde, kündigte Chevènement an. Sein Standpunkt wird nach Ansicht von Beobachtern des Pariser Treffens von den europäischen Partnern weitgehend geteilt. In den USA wird hingegen die Einrichtung einer weltweit agierenden Fahndungsbehörde bevorzugt, die dem grenzenlosen Charakter des Internet gerecht werden soll. Die Sicherheitsrisiken des Internet liegen nach Ansicht von Fachleuten im wesentlichen in der Entstehungsgeschichte dieses Mediums begründet, das ursprünglich für den freien Datenaustausch von Wissenschaftlern konzipiert worden war. Sicherheitsaspekte blieben dabei lange unberücksichtigt. Beschlüsse sind von der Pariser Konferenz nicht zu erwarten. Das Expertentreffen der G-8-Gruppe soll für das Gipfeltreffen im Juli in Okinawa Beschluss-Vorlagen liefern.

In Berlin unterzeichneten Industrievertreter und Wirtschaftsminister Müller eine gemeinsame Erklärung. Es sei höchste Zeit, die Unternehmen für das Thema Sicherheit in der Informationstechnik (IT) zu sensibilisieren, sagte Müller. Er verwies auf die große wirtschaftliche Bedeutung des Internets. Die IT-Branche setze mehr als 200 Milliarden Mark um. Das Wachstum hänge jedoch wesentlich davon ab, dass das Vertrauen in die Sicherheit des Internet erhalten bleibe. Dafür seien internationale Regeln notwendig.Mehr zu dem Thema unter www.meinberlin.de/e-sicherheit .

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