Wirtschaft : Die politisierte Flut

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Der enorme Schaden, den die Fluten in Ost- und Mitteleuropa angerichtet haben, steht nicht in Frage. Mehr als 100 Menschen kamen ums Leben und der Sachschaden muss in Milliardenbeträgen gemessen werden. Die historischen Städte Prag und Dresden sind unter den am ärgsten getroffenen Gebieten.

Doch die Dinge haben einen eigenwilligen Lauf genommen, seit dem die von der Presse mit „Jahrhundertflut“ beschriebene Erscheinung zum Thema in der Politik gemacht wurde. In Deutschland findet sich der rechtskonservative Kanzlerkandidat Edmund Stoiber im Feuer der Grünen Partei, die sich nach den Überschwemmungen im Auftrieb sieht. Die Öko-Militanten von Friends of the Earth nutzten die Gelegenheit zum Schlag gegen US-Präsident George W. Bush. Wegen seiner Ablehnung des Kyoto-Protokolls zur Klimaerwärmung hielten sie ihm vor, dass solche Sünden jetzt von Gott bestraft würden. Andere Horror-Theoretiker machten die weltweite Überbevölkerung für die Überschwemmungen verantwortlich. Vielleicht wäre es hilfreich, Aberglauben und Politik gegen eine Portion Realismus einzutauschen. Das Wetter gehorcht nun einmal keiner Planung. Es gibt wenig, was Politiker oder sonst irgendwer dagegen tun könnten. Die Schuld für das Wetter dem jeweils gewählten Sündenbock in die Schuhe zu schieben, hilft den Opfern nicht.

Wer das Unwetter ins rechte Licht rücken will, sollte einen Blick zurück in die Geschichte werfen. Mit der Bezeichnung „schlimmste Flut des Jahrhunderts" ist nicht alles gesagt. Denn Prag hatte im Jahr 1890 schon verheerendere Wassermassen gesehen – lange bevor der so genannte Treibhauseffekt begonnen haben soll, unseren Planeten aufzuheizen.

Naturkatastrophen sind schwer zu verstehen, vor allem weil sie auf eine Kombination von Ausnahmeerscheinungen zurückgehen. Meteorologen wissen, dass es Ereignisse gibt, die schlimmer sind als andere und dass es besonders schlimme gibt. Man spricht dann von Jahrhundert-Stürmen und Ähnlichem.

Ohne Zweifel, wir haben ein besonders übles Unwetter erlebt. Doch jetzt so zu tun, als trügen die Politiker eine Mitschuld, ist nicht nur falsch, sondern geradezu närrisch.

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