Wirtschaft : Die Popkomm kommt an

Messegründer Dieter Gorny: Der Umzug nach Berlin hat sich gelohnt/Musikfirmen loben Atmosphäre

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der Umzug der Popkomm von Köln nach Berlin hat sich gelohnt. Messe-„Erfinder“ Dieter Gorny zog am Freitag eine positive Bilanz: „An den Reaktionen der internationalen und deutschen Besucher lese ich ab, dass das neue Konzept aufgeht“, sagte der Chef des Musiksenders Viva dem Tagesspiegel. Die Popkomm sei in Berlin internationaler geworden – und kommunikativer. „Man redet nicht mehr nur über die Popkomm, sondern wieder über Musik“, sagte Gorny. Als Beispiel nannte er die öffentliche Diskussion über eine Radio-Quote für deutschsprachige Musik. Die Debatte sei ein „Glücksfall“ für die diesjährige Musikmesse gewesen.

Auch die Veranstalter der Popkomm feierten den Neustart: Über 80 Prozent der Besucher und 663 Aussteller aus 41 Ländern hätten der neuen Messe gute bis sehr gute Noten gegeben, teilte die Popkomm GmbH mit. Nach vorläufigen Angaben wurden mehr als 14 000 Fachbesucher gezählt. Drei Viertel aller Aussteller hätten während der Messe Geschäftsabschlüsse getätigt, 80 Prozent erwarteten nach der Popkomm weitere Verhandlungen oder Abschlüsse. Die große Mehrheit der diesjährigen Besucher habe angekündigt, auch 2005 wieder an der Popkomm in Berlin teilnehmen zu wollen. „Die ersten Anmeldungen für 2005 sind bereits eingegangen“, sagte Popkomm-Geschäftsführer Ralf Kleinhenz. Im kommenden Jahr findet die Messe vom 14. bis 16. September auf dem Messegelände statt.

Nach drei Tagen und Nächten voller Programm und angesichts der „hohen Party- und Eventdichte“ in Berlin seien die Messehallen unter dem Funkturm zwar zuletzt recht leer gewesen, räumte Dieter Gorny am Freitag ein. „Aber das war bei anderen Popkomm-Messen auch so.“ An den ersten beiden Tagen habe die Messe „gebrummt“. Auch außerhalb der Hallen am Funkturm: In über 30 Orten der Stadt traten insgesamt 1200 Musiker auf.

Nach Jahren des Krisengeredes sei die Stimmung in der Musikbranche wieder vergleichbar mit der in der Boomzeit der 90er Jahre, sagte Gorny. Statt Hysterie breite sich nun aber eine neue Ernsthaftigkeit aus, die selbst Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement bei seinem Messerundgang erstaunt habe. Ob die Popkomm auch ein kommerzieller Erfolg war, konnte der Viva-Chef indes noch nicht sagen. Beim „ersten Durchsehen der Zahlen“ könne man aber davon ausgehen, dass die Popkomm „sehr schnell“ auch ein wirtschaftlicher Erfolg für die Veranstalter werden könne.

„Die Musikkonzerne waren von den vielfältigen Geschäftskontakten überrascht“, sagte Gorny zur Resonanz der Aussteller. Von den Majors waren als Aussteller allerdings nur Universal, Sony Music und Warner Music vertreten. BMG und Emi hatten zum Teil aus Kostengründen abgesagt. Maarten Steinkamp, Deutschlandchef der unlängst mit Sony Music fusionierten BMG, hatte vor allem den geschäftlichen Sinn der Popkomm in Zweifel gezogen.

Gorny zufolge haben vor allem kleinere Labels von der Messe profitiert. „Da sind direkt Geschäfte abgeschlossen worden.“ Viele Independents hätten die Atmosphäre in Berlin gelobt, die lockerer sei, aber auch politischer als etwa bei anderen Musikmessen wie etwa in Cannes. „Die inhaltliche Ausrichtung der Veranstaltung auf die Belange des Mittelstandes ist gelungen“, bestätigte Peter James, Präsident des Verbandes unabhängiger Tonträgerunternehmen. „Unserer Meinung nach lohnt der Aufwand einer Beteiligung an der Popkomm.“

Auch Horst Weidenmüller, Chef des Berliner Elektronik-Labels K7, zeigte sich zufrieden: „Es brodelte. Es war viel los, das spiegelt die Situation des Mittelstands wider.“ Er habe die Popkomm genutzt, seine Firma international besser aufzustellen und das Kongressprogramm alsFortbildung genutzt. Rund 300 Redner hatten auf 50 Panels des internationalen Fachkongresses Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft diskutiert. Horst Weidenmüllers Popkomm-Lektüre bestand vor allem aus Verträgen. Bei den früheren Messen in Köln habe er kaum Geschäfte abgeschlossen, sagte der K7-Chef. In Berlin habe man direkten Zugang zu wichtigen Entscheidungsträgern.mit dpa

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