Wirtschaft : Die Positionen von Arbeitgebern und Gewerkschaften - Rente mit 60

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Die IG Metall will eine "Brücke schlagen zwischen Jung und Alt" und hat dafür die Rente mit 60 erfunden. Damit das Modell funktioniert, muss der Gesetzgeber das Renteneintrittsalter auf 60 Jahre senken, und zwar nach dem IG Metall-Modell befristet auf die nächsten fünf Jahre: In dieser Zeit gibt es aufgrund von Altersstruktur und Bevölkerungsentwicklung die größte Unterbeschäftigung. Jeder Arbeitnehmer hätte dann einen gesetzlichen Anspruch auf den Ruhestand mit 60, wenn er 35 Versicherungsjahre (einschließlich Anrechnungszeiten) voll hat. Die bislang beim Ausstieg mit 60 Jahren fälligen Rentenabschläge von bis zu 18 Prozent sollen durch einen Tariffonds ausgeglichen werden. In diesen Fonds sollen alle Arbeitnehmer und Arbeitgeber einzahlen, dabei rechnet die IG Metall mit 0,5 Prozent einer zukünftig auszuhandelnden Lohnerhöhung: Für den durchschnittlichen Metall-Facharbeiter macht das nach Berechnungen der Gewerkschaft 18,33 Mark im Monat, der gleiche Betrag wäre vom Arbeitgeber zu leisten. Für Arbeitnehmer, die fünf Jahre früher in den Ruhestand gehen, gilt: Der Tariffonds gleicht nur Jahre des früheren Rentenbezugs aus; dem Frührentner ab 60 fehlen aber fünf Beitragsjahre, die seine Rente mindern.

In der deutschen Metall- und Elektroindustrie sind gegenwärtig 60 000 Arbeitnehmer älter als 60; diese könnten sofort in Rente gehen. Rund 300 000 Metaller sind zwischen 55 und 60 Jahre alt. Unterstellt man - wie das die IG Metall tut - dass etwa 70 Prozent dieser Jahrgänge früher gehen wollen und mindestens die Hälfte ihrer Stellen wiederbesetzt wird, dann werden bis zu 100 000 Arbeitsplätze für Jüngere frei. Für die Wiederbesetzung der frei werdenden Stellen soll es Anreize geben: Der Arbeitgeber bekommt sein Geld aus dem Tariffonds zurück, wenn der Arbeitsplatz wieder besetzt wird.

Die gegenwärtige Form der Altersteilzeit lehnt die IG Metall ab. Zum einen, weil die Altersteilzeit nach den bisherigen Erfahrungen nur von Großbetrieben in Anspruch genommen werde; nach Gewerkschaftsangaben sind bislang in der deutschen Wirtschaft insgesamt nur 30 000 Personen in Altersteilzeit gegangen. Dass diese Zahl so gering ist, hängt auch mit der "doppelten Freiwilligkeit" zusammen: Altersteilzeit ist nur möglich, wenn sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber das wollen. Damit die Beschäftigten aus ihrer "Bittsteller-Rolle" (Klaus Zwickel) rauskommen, fordert die IG Metall einen Rechtsanspruch, der durch die Absenkung des gesetzlichen Renteneintrittalters gegeben wäre.

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