Wirtschaft : Die Post hält an der Postbank fest

Konzernchef Zumwinkel schließt Verkauf definitiv aus/Kasse für Übernahmen weiterhin gut gefüllt

Bernd Hops

Bangalore - Die Übernahme von Postfilialen durch die Postbank soll keinen Verkauf des Instituts vorbereiten. Postchef Klaus Zumwinkel sagte dem Tagesspiegel am Rande einer Indienreise: „Die Postbank gehört zu unserem Kerngeschäft und füllt unsere Filialen wunderbar auf. Sie bleibt im Konzern.“ Es sei aber besser, dass derjenige die Filialen führt, der auch das meiste Geschäft dort macht. Schon seit längerer Zeit habe man deshalb darüber nachgedacht, „die großen Filialen umzuhängen“. Es gehe dabei aber vor allem darum, den Postbank-Vertrieb zu stärken und dadurch den Gewinn der Tochter zu steigern.

Der Konzern hatte vor kurzem mitgeteilt, dass die Postbank 850 Filialen, die dem Institut den größten Teil des Neugeschäfts einbringen, und damit 9500 Mitarbeiter der Deutschen Post, übernehmen soll. Bisher hatte die Postbank der Post einen Ausgleich dafür bezahlt, wenn die Filialmitarbeiter Bankdienstleistungen erbrachten. Jetzt soll es in den betroffenen Filialen umgekehrt sein. Die Post überweist für jede Postdienstleistung wie die Annahme von Päckchen oder Briefen einen Ausgleich an die Postbank. „Es macht mehr Sinn, wenn derjenige, der wächst – nämlich die Bank – die Fixkosten trägt“, sagte Zumwinkel. Die stärkere Ausrichtung auf Bankdienste solle aber nicht zu Lasten der sonstigen Leistungen gehen, sagte Zumwinkel. Um das sicherzustellen, würden jeweils Verträge zwischen Post und Postbank abgeschlossen.

Der Postchef betonte zudem, dass der Konzern weiterhin eng mit den Gewerkschaften zusammenarbeiten wolle. Zuletzt war bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Verunsicherung entstanden, weil Zumwinkel zusammen mit dem Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) dafür geworben hatte, Betriebsbündnisse gegenüber Tarifverträgen zu bevorzugen. Dies sei missverstanden worden. „Letztlich war die Praxis gemeint, die wir bei der Post haben – nämlich auf den Betrieb zugeschnittene Vereinbarungen. Das war immer unsere Stärke“, sagte Zumwinkel. Ein Beispiel sei der jüngst abgeschlossene Tarifvertrag für die Mitarbeiter am neuen DHL-Luftdrehkreuz Leipzig – „der besser ist als der Branchentarifvertrag in Sachsen“.

Bei der weiteren Expansion des Konzerns will Zumwinkel darauf achten, dass die Finanzlage des Unternehmens sehr gut bleibt. „Bei der Verantwortung für hunderttausende Arbeitsplätze muss man eine konservative Finanzpolitik verfolgen“, sagte der Postchef. Er erinnerte daran, dass die Schuldenlast der Post vor dem Börsengang im Jahr 2000 noch so groß war, dass sogar die Eintragung ins Handelsregister schwierig wurde. Heute ist der Konzern trotz großer Zukäufe faktisch schuldenfrei.

Auch nach der geplanten, 5,5 Milliarden Euro teuren Übernahme des britischen Logistikkonzerns Exel sei die Kriegskasse für Zukäufe immer noch komfortabel gefüllt. „Und eine so große Übernahme wird es in absehbarer Zeit bei uns nicht geben“, sagte Zumwinkel. Auch für 2006 sei keine in der Größe zu erwarten. Kleinere Übernahmen würden zwar getätigt. „Das gehört zum Standardgeschäft.“ Die Finanzierung sei jedoch unproblematisch. Der Konzern habe jährlich etwa 1,5 Milliarden Euro an freien Finanzmitteln (Free Cash Flow). Exel werde diese Position zudem „sehr stärken“.

Zum Beispiel im Briefgeschäft, das 2008 in Deutschland voraussichtlich komplett liberalisiert wird, würden Übernahmemöglichkeiten „weltweit aktiv beobachtet“, sagte der Konzernchef. In Irland arbeite man profitabel, das britische Geschäft werde durch die Exel-Tochter Mercury gestärkt und in den USA ist die Post bereits sehr stark. Der Kauf der österreichischen Post sei aber definitiv kein Thema mehr, sagte Zumwinkel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben