Wirtschaft : Die Post hat Konjunktur

Brief- und Expressgeschäft läuft besser als erwartet / Prognose angehoben

Christoph Schlautmann (HB)

Bonn - Das starke Wirtschaftswachstum in Asien und der zunehmende Handel übers Internet lassen die Deutsche Post weitaus kräftiger wachsen als angenommen. Im zweiten Quartal 2010, berichtete gestern Vorstandschef Frank Appel, sei der Konzernumsatz gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 15,6 Prozent auf 12,8 Milliarden Euro gewachsen. Analysten hatten gerade einmal mit einem Anstieg von sechs Prozent auf 11,8 Milliarden Euro gerechnet.

Europas größter Brief- und Logistikkonzern, dem zuletzt die Wirtschaftsflaute ebenso wie der teure Rückzug aus Amerika zusetzte, kommt damit schneller aus der Krise als vermutet. Das boomende Geschäft verdoppelte den Betriebsgewinn (Ebit) vor Einmalbelastungen auf 503 Millionen Euro. Weil Analysten den Bonnern auch hier weniger zugetraut hatten, gehörten die Post-Aktien gestern mit einem Plus von über drei Prozent zu den Tagessiegern im Dax.

Branchenexperten wie Frank Skodzik von der Commerzbank zeigten sich vor allem über die Entwicklung im Briefgeschäft beeindruckt. Die von Postvorstand Jürgen Gerdes geführte Sparte, die ein Viertel des Konzernumsatzes trägt, kämpft seit Jahren gegen schwindende Umsätze. Elektronischer Datenaustausch und E-Mails lassen die Erlöse erodieren. Hinzu kam zuletzt die Pleite des Post-Kunden Quelle, der zuvor Millionen seiner Kataloge über die Post verschickte.

Vor wenigen Wochen startete Gerdes einen Gegenangriff, indem er den Versand rechtsgeschützter Briefe und Dokumente per Internet ermöglichte. Als Kunden für den „E-Postbrief“ konnte er zahlreiche Behörden, Versicherungen und Banken gewinnen.

Dass der Briefsparte neue Gewinne zufließen, hat freilich einen anderen Grund. Immer mehr Verbraucher ordern übers Internet, so dass es mit dem Paketgeschäft der Briefsparte deutlich nach oben ging. Wichtiger Postkunde ist das Onlinekaufhaus Amazon, dessen Umsatz im letzten Quartal um 41 Prozent gegenüber Vorjahr zulegte.

Doch auch das Express-Geschäft von DHL schlug sich besser als erwartet. Weil die Sparte vor allem bei Kunden in Asien deutlich stärker gefragt war als im Vorjahr, verdreifachte sich der Betriebsgewinn auf 198 Millionen Euro – vor Einmalbelastungen. Die Trennung von Verlustbringern– insbesondere vom inner-amerikanischen Expressgeschäft im vergangenen Jahr – kommt dem Konzern jetzt zugute. „Zum ersten Mal kann DHL jetzt zeigen, welches Potenzial die Sparte tatsächlich besitzt“, sagte Analyst Skodzik.

Der Bonner Dax-Konzern korrigiert seine Erwartungen nun nach oben. Vor Einmaleffekten, erklärte Vorstandschef Frank Appel, dürfte es 2010 ein Betriebsergebnis (Ebit) von 1,9 bis 2,1 Milliarden Euro geben – und damit bis zu 300 Millionen Euro mehr als ursprünglich versprochen. Christoph Schlautmann (HB)

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