Wirtschaft : Die Post hat Konjunktur

Der Brief- und Logistikkonzern profitiert von der Erholung der Weltwirtschaft

Bonn - Die anziehende Konjunktur lässt die weltgrößten Brief- und Logistikkonzerne optimistisch in die Zukunft blicken. Die Deutsche Post hob am Dienstag nach deutlichen Umsatz- und Gewinnzuwächsen im zweiten Quartal ihre Jahresprognose an – wie zuvor bereits die US- Konkurrenten UPS und Fedex. Der Bonner Konzern erwartet nun einen operativen Gewinn (Ebit) vor Einmaleffekten von 1,9 bis 2,1 Milliarden (bislang: 1,6 bis 1,9) Milliarden Euro. Grund für den optimistischeren Ausblick sind hohe Wachstumsraten im Express- und Logistikgeschäft der Sparte DHL. Diese soll 2010 erstmals mehr Gewinn abwerfen als der traditionelle Ertragsbringer der Post, die Briefsparte.

„Als Motor des globalen Handels haben wir im zweiten Quartal stark von der Belebung der Weltwirtschaft profitiert“, bilanzierte Konzernchef Frank Appel. Vor allem in den asiatischen Wachstumsregionen konnte die Post den Umsatz im Halbjahr fast um 40 Prozent steigern. In Europa, wo der Konzern den größten Teil seiner Umsätze macht, stand ein Plus von 5,2 Prozent in den Büchern. Zudem profitiert die Post von ihrem Sparkurs, mit dem Appel den durch Zukäufe in der Vergangenheit schnell gewachsenen Konzern durch die Krisenmonate gesteuert hatte. Rund 15 000 Stellen fielen binnen Jahresfrist weg. Bei steigenden Umsätzen und gestoppten Kosten legen nun auch die Erträge deutlich zu – und auch die Zahl der Beschäftigten könnte wieder steigen, sagte Appel.

Der Umsatz von April bis Juni sei um 15,6 Prozent auf knapp 12,8 Milliarden Euro gestiegen, teilte die Post mit. Noch deutlicher schossen die Gewinnzahlen in die Höhe: Der operative Ertrag (Ebit) vor Einmaleffekten verdoppelte sich fast auf 503 (Vorjahr: 257) Millionen Euro, der Überschuss stieg auf 81 (66) Millionen Euro. Die Post legte vor allem im Express- und Frachtgeschäft der Sparte DHL kräftig zu, im in der Vergangenheit mit Rückgängen kämpfenden Briefbereich entwickelten sich die Erlöse wieder stabil. Zum Jahresende erwartet die Post nun eine historische Wende: Die Briefsparte, die bislang die höchsten Gewinne abwarf, soll ein Ebit vor Einmaleffekten von bis zu 1,2 Milliarden Euro einfahren, bei DHL sollen es rund 1,3 Milliarden Euro sein. Appel sieht darin auch einen Beweis für den Erfolg der auf den beiden Säulen ruhenden Strategie des Konzerns.

Analysten bescheinigten der Post, überzeugende Zahlen vorgelegt zu haben. Alle Sparten hätten sich beim Ebit besser als erwartet geschlagen, schrieben etwa Experten der DZ Bank. Beim Umsatz und beim bereinigten Ebit konnte die Post insgesamt die Erwartungen des Marktes übertreffen, beim Gewinn verfehlte sie leicht. Hier schlugen Kosten durch den Verkauf von Verlustbringern in Frankreich und Großbritannien zu Buche. Die Post-Aktie kletterte am Dienstag um knapp vier Prozent an die Dax-Spitze. rtr

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