Wirtschaft : Die Post verträgt Wettbewerb

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Von Bernd Hops

Es ist gerade ein paar Monate her, da hat Postchef Klaus Zumwinkel noch die Folgen einer Portosenkung schwarz gemalt. Hunderte von Millionen Euro werde das kosten, und überhaupt sei es nicht fair, dass die Regulierungsbehörde die Post zu niedrigeren Preisen zwinge. Und jetzt ist alles halb so schlimm. Die Portosenkung hinterlässt kaum Spuren in der Bilanz. Statt einer großen Delle in der Bilanz verkündet die Post bei der Vorstellung der jüngsten Halbjahreszahlen: Der Konzern wird in diesem Jahr wohl sogar mehr verdienen als geplant.

Politik und Regulierer sollten sich die Zahlen sehr genau ansehen. Die Gewinnentwicklung zeigt: Es gibt durchaus Spielraum dafür, die Post dem Wettbewerb stärker auszusetzen als bisher. Die Entscheidung, den Briefmarkt nur schrittweise freizugeben, ist zwar richtig. Denn eine ganze Reihe von europäischen Konkurrenten stehen in den Startlöchern, um sich in Deutschland zu engagieren. Und die sind in ihren Heimatmärkten oft noch weitgehend geschützt – allen voran die französische Post. Deshalb sollte eine weitere Öffnung mit Augenmaß erfolgen, um die Post nicht im Vergleich über die Gebühr zu benachteiligen.

Aber mehr Liberalisierung ist auf jeden Fall möglich. Zumwinkel hat aus dem müden Staatskonzern Post einen weltweit operierenden Logistikkonzern gemacht, der auch langsam aber sicher Geld auch außerhalb seiner Briefsparte verdient. Der Konzern ist nicht mehr der schützenswerte Dinosaurier, für den er sich in der Briefediskussion gerne ausgibt. Die Post kann mehr Wettbewerb vertragen, als sie zugibt.

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