Wirtschaft : Die Post will rigoros sparen

Stellenabbau und Schließung von Filialen geplant

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Bonn (dpa). Mit einem drastischen Sparprogramm und Stellenabbau will die Deutsche Post Kosten senken. Der Aufsichtsrat des Unternehmens habe das umfassende Spar und Umstrukturierungspaket vor wenigen Tagen gebilligt, bestätigte Post-Sprecher Martin Dopychai am Sonntag in Bonn. Dazu gehöre neben einer Vielzahl von Maßnahmen auch ein noch nicht bezifferbarer Stellenabbau im Briefdienst, die Schließung von rund 1000 Filialen und das Abhängen von Tausenden Briefkästen. Mit den Einschnitten wolle die Post auch erwartete Ertragseinbußen ausgleichen, erläuterte Dopychai. Durch die zum 1. Januar 2003 anstehende Portosenkung bei Briefen und Postkarten erwartet die Post Einbußen von jährlich 300 Millionen Euro. Bereits für dieses Jahr rechnet die Post – auch auf Grund der von Brüssel angeordneten Beihilfe-Rückzahlung – mit einem deutlichen Gewinnrückgang.

Der Ausgleich der Porto-Einbußen ab 2003 würde einen Abbau von rund 10 000 Stellen bedeuten, sagte Dopychai. Dies sei aber eine „reine Rechengröße“. Durch viele weitere Maßnahmen zu Einsparungen und zum Nutzen von Synergieeffekten im Konzern müsse es aber nicht zu Stellenkürzungen in diesem Umfang kommen. Eine konkrete Zahl für den Personalabbau stehe noch nicht fest. In Deutschland beschäftigt die Post rund 224 000 Mitarbeiter, davon rund 137 000 im Briefdienst.

Die derzeit rund 13 000 Filialen könnten auf 12 000 vermindert werden, sagte Dopychai. Zu mehr sei die Post auch nach den gesetzlichen Vorgaben nicht verpflichtet. Einen großen Spielraum gebe es auch bei den Briefkästen. Auf der anderen Seite werde die Post durch neue Gebühren bei den Kunden für Nachsendungen und lagernde Sendungen höhere Einnahmen verbuchen können.

Mit dem seit Monaten beratenen „Star-Wertsteigerungsprogramm“ wolle die Post ihren Gewinn um einen dreistelligen Millionenbetrag steigern, berichtete „Focus“. Sie wolle damit auch auf den Kursverfall der Aktie reagieren. Der Kurs lag zuletzt bei 9,35 Euro. Bei der Erstnotierung vor zwei Jahren lag die Aktie bei 21 Euro.

Neben der Portosenkung muss die Post auch eine Rückzahlung unerlaubter Beihilfen in Höhe von 572 Millionen Euro (plus Zinsen rund 850 Millionen Euro) an die Bundesregierung verkraften. Die Post hat gegen diesen Beschluss der EU-Kommission zwar geklagt. Diese Klage hat aber keine aufschiebende Wirkung, so dass die Post diese Summe zunächst überweisen muss. Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel will Einzelheiten des Sparprogramms am kommenden Donnerstag bekannt geben.

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