Wirtschaft : Die Post zahlt dem Bund erstmals einen Bonus

Der Gewinn ist um 30 Prozent gestiegen / Der Noch-Monopolist will im Jahr 2000 an die Börse gehen BONN (wei).Die Deutsche Post AG will Marktführer der Branche in Europa werden und in zwei Jahren an die Börse gehen.Diese Ziele hat sich der Vorstand des Unternehmens gesetzt.Im letzten Jahr als Monopolist habe das Unternehmen die Sanierung geschafft und verfüge jetzt über ein "solides Fundament für eine langfristige Wachstumsstrategie in allen Sparten", sagte Post-Vorsitzender Klaus Zumwinkel bei der Vorlage der Bilanz für das Jahr 1997.Trotz eines eher bescheidenen Umsatzwachstums von 1,6 Prozent auf 27,1 Mrd.DM konnte die Post AG ihr laufendes Ergebnis um nahezu ein Drittel auf 752 Mill.DM verbessern.Der Alleinaktionär Bund erhält erstmals eine Dividende von 103 Mill.DM.Im ersten Quartal 1998 seien die Umsätze weiter gestiegen, sagte Zumwinkel.Er rechne deshalb auch in diesem Jahr mit einem höheren Ergebnis.Seit 1990 wurden 16 Mrd.DM investiert, die Hälfte davon in neue Brief- und Frachtzentren.Dadurch konnten vor allem die Personalausgaben erheblich reduziert werden.Allein im vergangenen Jahr wurden 18 000 Stellen bei der Post gestrichen, in diesem Jahr weitere 12 000 auf dann 255 000 Stellen.Bis Ende 2000 seien betriebsbedingte Kündigungen aber nicht notwendig.Verbesserungen konnten nach Angaben des Vorstandes im Briefdienst erzielt werden, aus dem drei Viertel der Erlöse stammen.93 Prozent der Briefe erreichten 1997 ihr Ziel am nächsten Tag; im ersten Quartal 1998 waren es sogar 94 Prozent.Dazu hätten insbesondere die 83 neuen Briefzentren beigetragen, die bis Ende des Jahres in Betrieb gehen.Damit werde das Konzept "Brief 2000" ein Jahr früher realisiert als geplant.Dagegen schreibt die Poste in ihrer zweitgrößten Sparte, dem Frachtdienst, weiter rote Zahlen.Allerdings kam der Umsatzrückgang 1997 bei 3,1 Mrd.DM zum Stillstand und der Verlust fiel mit 900 Mill.DM geringer aus als im Vorjahr (1,4 Mill.).Bis zum Jahr 2000 will der Vorstand auch im Frachtdienst die Gewinnschwelle erreichen.Nach dem Abschluß des Kooperationsvertrages mit der Postbank kündigte Zumwinkel den zügigen Aus- und Umbau des Filialnetzes an.Eine Mrd.DM werde das Unternehmen in den nächsten vier Jahren dafür aufbringen.Im Jahr 2000 soll die Hälfte der Kunden an "offenen, kundenfreundlichen Schaltern" bedient werden.Eckpfeiler des Filialnetzes sind 750 "Center-Filialen" in größeren Städten, in denen das gesamte Leistungsspektrum einschließlich der Finanzberatung bereitgehalten wird.14 Center-Filialen sind inzwischen im Betrieb.Außerdem will die Post eigene Filialen in Warenhäusern und an anderen stark frequentierten Punkten eröffnen.550 Filialen würden zusammen mit der kürzlich erworbenen Tochter McPaper eingerichtet.Im ländlichen Raum setze man weiter auf Postagenturen, von denen es bereits 5000 gibt.Im internationalen Frachtgeschäft hat die Post in Österreich, Belgien, Polen und der Schweiz damit begonnen, eigene Transportnetze aufzubauen.Ziel sei es, durch weitere Beteiligungen und Kooperationen "Marktführer auf dem europäischen Paketmarkt" zu werden.Durch den Erwerb von 22,5 Prozent am Expressdienst DHL International habe sich die Post Zugang zu einem "weltweiten Logistignetz für Expressprodukte" verschafft, sagte Zumwinkel.Zum Kaufpreis machte er keine Angaben.

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