Wirtschaft : Die Postbank geht vermutlich doch nicht an die Börse

BONN (aho).Der geplante Börsengang der Deutschen Postbank im kommenden Frühjahr fällt möglicherweise aus.Nach Informationen des Tagesspiegels gibt es in der SPD Überlegungen, Post und Postbank gemeinsam zu privatisieren.Nach diesen Plänen soll die Post zunächst 51 Prozent an dem Geldinstitut übernehmen.Die übrigen 49 Prozent sollen Großinvestoren übernehmen.Der für den Frühjahr 1999 geplante Verkauf der Anteile über die Kapitalmärkte würde demnach ausfallen.Stattdessen würden Post und Postbank in einem zweiten Schritt möglicherweise im Jahr 2000 an die Börse gebracht.

Postbank-Pressesprecher Joachim Strunk sagte, man halte an den Plänen zum Börsengang fest.Dabei sollen die bisherigen Kooperationspartner, wie Wüstenrot und der Versicherer HDI sowie die Commerzbank, Anteile erhalten.

Die Sozialdemokraten denken, die Post wäre im Paket mit der Postbank besser zu privatisieren.Außerdem könnten die Schalter leichter gemeinsam betrieben werden.Über das Aus für den Börsengang wollen die Sozialdemokraten aber erst nach der Regierungsbildung Ende Oktober entscheiden.Insider sehen die Privatisierungspläne allerdings skeptisch, weil dann "zwei Kranke zusammengebunden" würden.

Postbank-Chef Dieter Boening hatte im Sommer für Kritik gesorgt, weil er Teile der Postbank an die Commerzbank verkaufen wollte - ohne sich ausreichend mit den Eigentümern abzusprechen.Das Bundesfinanzmisterium und die Bundesanstalt für Post und Telekommunikation - sie ist für die Verwaltung des Bundesbesitzes zuständig - hatten von den Plänen aus der Zeitung erfahren.

Bereits im Sommer hatten Kapitalmarktexperten den Börsengang der Postbank kritisiert.Das Londoner Bankhaus Schroders, das die scheidende Bundesregierung bei der Privatisierung beriet, bezeichnete die Postbank in einem Gutachten als kaum zu verkaufen.Ein Börsengang sei "1999 kaum realistisch".Die Banker waren skeptisch wegen der schlechten Geschäftsergebnisse.So habe des Kreditinstitut noch 1996 1,25 Mrd.DM an Verlusten geschrieben.Auch der "magere Gewinn von 27 Mill.DM" für 1997 sei nur "dank der Mobilisierung stiller Reserven" möglich gewesen.Postbank-Sprecher Joachim Strunk wies die Behauptungen des Gutachtens zurück.Aktuell würde Morgan Stanley den Börsengang vorbereiten und auch den Wert des Kreditinstitutes beziffern.Wann die Investmentbanker ihr Gutachten vorlegen, ließ er offen.

Im ersten Halbjahr stieg der Konzernüberschuß vor Steuern von 16 Mill.DM (1997) auf 181 Mill.DM.Die Bilanzsumme kletterte um 3,9 Mrd.DM auf 115,4 Mrd.DM.Für das laufende Jahr erwartet das Geldhaus einen Jahresüberschuß vor Steuern von 400 Mill.DM.

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