Wirtschaft : Die Postbank soll an die Börse

Aufsichtsrat der Post genehmigt Pläne für das Jahr 2004 – Erlöse sollen in Expansion und Schuldenabbau fließen

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Berlin (hop). Die Deutsche Post wird die Postbank wahrscheinlich im Herbst 2004 an die Börse bringen. Der Aufsichtsrat billigte am Montag Pläne, die Möglichkeiten für einen Börsengang innerhalb der nächsten 18 Monate zu prüfen. Nach der Sitzung sagte PostChef Klaus Zumwinkel in Bonn, der Konzern wolle jedoch in jedem Fall die Mehrheit an der Postbank behalten. Zurzeit ist das Finanzinstitut noch eine hundertprozentige Tochter der Post. Allerdings sagte ein Konzernsprecher dem Tagesspiegel: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Postbank nicht an die Börse gebracht wird. Das hängt von dem Ergebnis der jetzt laufenden Prüfung ab.“ Es gebe außerdem keinen Zeitdruck.

Die Postbank ist einer der profitabelsten Teile der Post – mit kontinuierlich steigenden Gewinne. 2002 hatte die Postbank eine Bilanzsumme von 141 Milliarden Euro und wies einen Gewinn vor Steuern von 399 Millionen Euro aus. Für 2003 rechnet Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann mit einem Plus im zweistelligen Prozentbereich.

Das Institut hat sich anders als die meisten anderen deutschen Privatbanken in den vergangenen zwei Jahren sehr gut behauptet, weil es sich stark auf das Privatkundengeschäft konzentriert hat. Mit zehn Millionen Kunden ist es die größte Filialbank in Deutschland. Das Investmentbanking und das Geschäft mit Krediten für die Industrie, die den Konkurrenten in der Börsenkrise einen hohen Abschreibungsbedarf einbrachten, werden von der Postbank nicht betrieben.

Post-Chef Zumwinkel begründete den geplanten Börsengang damit, dass der Wert der Postbank gesteigert werden solle. Ein Post-Sprecher verwies auf das Eigenkapital der Bank, das bei 4,8 Milliarden Euro liege – während die meisten Analysten das Institut nur mit 3,5 bis 3,7 Milliarden Euro bewerten. Das soll sich durch den Börsengang ändern. Die Post-Aktie verlor zwar bis Montagnachmittag rund 0,9 Prozent auf 14,64 Euro . Markus Hesse, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank (HVB), erwartet jedoch, dass sich der Postbank-Börsengang „tendenziell positiv“ bemerkbar machen wird.

Post-Chef Zumwinkel widersprach Berichten, der Konzern sei von der Bundesregierung zu einem Börsengang gedrängt worden, um Geld in die leere Bundeskassen zu bringen. Der Bund ist der größte Aktionär der Post und hält direkt 50 Prozent der Anteile, weitere 18,3 Prozent liegen bei der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau. Zumwinkel betonte, das durch einen möglichen Börsengang eingenommene Geld solle im Konzern verbleiben.

Rein rechnerisch kann die Post bei einem Börsengang von 50 Prozent der Postbank mit bis zu 2,5 Milliarden Euro rechnen. Dieses Geld solle etwa zur Hälfte in den Schuldenabbau gesteckt werden, sagte Zumwinkel, um so die Einschätzung der Kreditwürdigkeit durch die großen Ratingagenturen wieder zu verbessern. Dadurch würde die Post Kredite günstiger erhalten. HVB-Analyst Hesse sagte jedoch: „Schuldenabbau ist nicht das Thema.“ Zurzeit hat die Post mit 2,3 Milliarden Euro vergleichsweise wenig Schulden. Skeptisch sind die Ratingagenturen wegen der Pensionsverpflichtungen.

Neben dem Schuldenabbau will die Post mit den Erlösen auch die weitere Konzernexpansion finanzieren. Unter anderem ist sie an der dänischen und der österreichischen Post interessiert. Zumwinkel schloss eine Sonderausschüttung an die Aktionäre – von der besonders der Bund profitieren würde – kategorisch aus. Ein Sprecher des Finanzministeriums dementiert jede Begehrlichkeit. „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Börsengang der Postbank und dem Bundeshaushalt“, sagte der Sprecher. Dies sei eine „reine Unternehmensentscheidung“.

Neben dem Börsengang versucht die Post allerdings, den Wert ihrer Tochter noch auf weiteren Wegen zu steigern. Zumwinkel kündigte ein Sparprogramm an. Unter anderem soll die Zahl der Postbank-Mitarbeiter von rund 10 000 auf 7500 sinken. Das Filialnetz hatte das Institut jüngst ausgedünnt.

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