Wirtschaft : Die Postbank soll die Börse retten

Nach der Verschiebung des ATU-Börsengangs wächst der Druck auf die Post, die Aktie billiger anzubieten

Daniel Rhee-Piening

Berlin - Die Bilanz ist ernüchternd. Die Verschiebung des Börsengangs von ATU ist ein herber Schlag für die Börsenkultur in Deutschland. Hatten zum Jahresbeginn noch alle Beobachter mit einer deutlichen Zunahme an Börsengängen gerechnet, wird jetzt die Liste der Flops und Verschiebungen immer länger. Ob Siltronic oder gar X–Fab – die Kandidaten konnten die Anleger nicht überzeugen.

Auch Mifa und Wincor Nixdorf erwiesen sich nicht als die dringend gesuchten Eisbrecher. Der sachsen-anhaltinische Fahrradproduzent ist zu klein und unbedeutend. Wincor Nixdorf ließ sich nur mit deutlichen Preisabschlägen unterbringen. Nun schauen alle gespannt auf die Postbank. Diese bestätigte am Donnerstag nochmals den 21. Juni als Termin für den Börsengang, aber der Druck wird stärker, vor allem auf den Preis. Während die Deutsche Post 36 Euro für gerechtfertigt hält, wollen die großen Investmentfonds nur 30 Euro bezahlen.

Und es gibt jetzt noch einen zweiten Hoffnungsträger. Tui hat für den angestrebten Börsengang seiner Logistik-Tochter Hapag-Lloyd die US-Investmenthäuser Goldman Sachs und Citigroup als Konsortialführer ausgewählt. Das Mandat sei ausschließlich für einen Börsengang und nicht für den Verkauf an einen Investor vergeben worden, sagte eine Sprecherin am Donnerstag.

Doch mit der Postbank und Tui hat es sich dann auch schon. Zwar versuchen die Börsianer die „Pleiten“ von X-Fab und Siltronic kleinzureden. Die Anleger hätten gezeigt, dass sie reifer geworden seien, weil sie X-Fab scheitern ließen, sagt ein Investmentbanker, und Siltronic sei daran gescheitert, dass das Unternehmen zu hoch bewertet worden sei.

Aber auch Eberhard Dilger, Leiter des Aktienemissionsgeschäfts bei der Commerzbank, spricht von einem Problem – wenn auch einem temporären. Die Zurückhaltung bei den Börsengängen habe zunächst mal mit dem Finanzplatz Deutschland wenig zu tun, sondern sei eine Folge des Marktumfeldes. Der hohe Ölpreis und die geopolitische Lage belasteten die Aktienmärkte doch erheblich. Investoren seinen derzeit nicht bereit, höhere Risiken einzugehen und übten Druck auf die Preise aus. Dilger spricht von einem Käufermarkt. Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sieht es ähnlich. „Ein schlechtes Umfeld kann auch einen guten Börsengang kaputt machen“ sagt er.

Doch in anderen Ländern läuft es anders. Pricewaterhouse Coopers (PwC) hat nachgezählt. Im ersten Quartal 2004 sind europaweit 56 Neuemissionen an die Börse gegangen, viermal so viele wie im Vorjahreszeitraum. In Deutschland wagte sich im ersten Quartal keine einzige Gesellschaft aufs Parkett. In Großbritannien, wo es in diesem Jahr schon einige erfolgreiche Börsengänge gab, sei der Kapitalmarkt sehr viel größer und auch breiter gefächert, sagt Dilger. „Deshalb haben es die Unternehmen dort mit Börsengängen leichter.“ Ähnlich sei die Lage in den USA. Doch Dilger rechnet damit, dass sich die Lage im Jahresverlauf auch hier zu Lande bessert.

Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut will die Verschiebung von ATU nicht überbewerten. Nach wie vor sei die Akzeptanz für Aktien in Deutschland hoch. „Vor zehn Jahren hatten wir auch die ein oder andere Verschiebung. Damals wurde das nicht problematisiert. Heute liegen die Nerven blank.“ Die Anleger hätten schlechte Laune wegen der derzeit schlechten Kurse, sagt Leven.

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