Wirtschaft : Die Preise fallen weiter

Mit weiteren Preisabschlägen will der Handel vielerorts Schwung in den müde angelaufenen Winterschlussverkauf (WSV) bringen. Zwar zog der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) bei strahlendem Sonnenwetter am traditionell verkaufsstärksten Sonnabend eine überaus gute WSV-Zwischenbilanz. In vielen Regionen und Städten konnten Einzelhändler die positive Stimmung ihres Spitzenverbandes jedoch nicht teilen. Einer der wichtigsten Negativfaktoren: Die Rekordwärme im Februar, die zwar bei vielen Menschen Frühlingsgefühle, aber kaum Lust auf den Kauf dicker Winterkleidung weckt.

"Heute ist der Knoten geplatzt", sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr am Sonnabend in Berlin. Es sei ein "Super-Tag", der "die erste Schlussverkauf-Woche rausgerissen" habe. Vielen Häusern, die bisher das Vorjahresniveau noch nicht erreicht hatten, habe dieser Tag die Wende zum Positiven gebracht. Die Mehrheit der Geschäfte habe nun in der ersten WSV-Woche ein Umsatzplus gegenüber 2001 zu verzeichnen.

Unzufriedene Stimmen sind aus HDE-Sicht offenbar Ausnahmen. Pellengahr zufolge waren die Innenstädte vor allem in den westdeutschen Einkaufsmetropolen voll. In Ostdeutschland leide der Handel ein wenig unter den beginnenden Ferien. Eine Ausnahme sei zudem München gewesen, wo der Einzelhandel wegen der Sicherheitskonferenz "stark gestört" sei. Wegen der Ferien und des beginnenden Karnevals seien die Erwartungen für die zweite WSV-Woche weiter gedämpft.

Dank der extra langen Öffnungszeiten haben die Berliner Einzelhändler am Sonnabend in etwa das Vorjahresniveau erreicht. Jan Holzweißig vom Berliner Einzelhandelsverband sagte, in der Stadt hätten rund 1500 Geschäfte die Möglichkeit genutzt, ihre Türen für Schnäppchenjäger bis 20 Uhr zu öffnen. Insgesamt war die erste WSV-Woche in Berlin nur mäßig gelaufen. Bis zum Freitag hatten laut Verband rund 50 Prozent der Geschäfte weniger Umsatz gemacht als im Jahr zuvor. Als Gründe nannte Holzweißig das zu milde Wetter und die fehlende Kaufkraft in Berlin. Zudem seien die Preise diesmal überdurchschnittlich stark gesenkt worden, was trotz höherer Kundenfrequenz zu Umsatzeinbußen geführt habe.

Auch Dagmar Flade vom KaDeWe zeigte sich mit der ersten Woche "nicht ganz zufrieden". Das Geschäft sei Sonnabend zwar voll gewesen, aber die enttäuschende erste Woche könne man damit nicht aufwiegen. Während man auch bei Karstadt am Neuköllner Hermannplatz mit leichten Einbußen rechnete, hoffte Dieter Zeih von der Geschäftsleitung des Kaufhofs am Alexanderplatz auf das Erreichen der Vorjahreszahlen.

Im Vergleich blieb Berlin hinter dem bundesweiten Trend zurück. Unzufrieden äußerten sich auch Händler in Brandenburg, die neben dem warmen Wetter und den Ferien auch den "Euro-Schock" mit vermeintlich halbierten Lohnzahlungen als Gründe für Zurückhaltung in der Kundschaft nannte.

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