Wirtschaft : „Die Preise für Lebensmittel steigen“

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Herr Sonnleitner, werden Lebensmittel teurer?

Die Rohstoffpreise sind weltweit angestiegen, was nicht in allen Fällen voll auf die Lebensmittelpreise durchschlagen wird. Die Preisentwicklung bei Lebensmitteln hängt nicht nur von den Agrarpreisen ab. Von einem Euro, den der Verbraucher für Nahrungsmittel ausgibt, entfallen im Schnitt nur 25 Cent auf die Rohstoffe.

Wie viel müssen Verbraucher drauflegen?

Das hängt von den Produkten ab. Bei einem Brötchen etwa ist der Mehlanteil so gering, dass sich die Getreidepreissteigerungen kaum auswirken. Bei Eiern oder Kartoffeln schlagen Preissteigerungen dagegen sehr stark durch.

Ist nur der trockene Sommer Schuld?

Für diese Entwicklungen sind mehrere Faktoren verantwortlich. Die wachsende Erdbevölkerung, Wohlstandsentwicklung und das Wirtschaftswachstum in Ländern wie China und Indien mit dem Wunsch nach höherwertigen Nahrungsmitteln führen zu einer höheren weltweiten Nachfrage nach Lebensmitteln.

In Deutschland boomt der Anbau nachwachsender Rohstoffe für Biosprit. Hat das dazu geführt, dass zu wenig Nahrungsmittel produziert werden?

In Deutschland und Europa gibt es keinen Mangel. Bei unseren Bauern wird auch künftig die Nahrungsmittelproduktion immer im Vordergrund stehen. Aber durch den jüngsten Lieferstopp und die stetige Verteuerung der Energie sowie unser gemeinsames Ziel des Klimaschutzes gewinnt die Bioenergie an Bedeutung. Viele Landwirte haben ein weiteres neues Standbein gewonnen. Sie können damit unternehmerisch besser auf Preisdruck reagieren.

Wenn die Rohstoffpreise steigen, dürfte das auch ihre Einkommen nach oben treiben.

Die Entwicklungen auf den Märkten stimmen zuversichtlich. Sie haben sich aber noch nicht im Einkommen niedergeschlagen. Mit durchschnittlich 1900 Euro Bruttoeinkommen im Monat haben es Bauern schwer, notwendige Zukunftsinvestitionen zu tätigen. Da die Energie- und Düngemittelpreise gestiegen sind, erwarten wir für 2007 keine höheren Einkommen.

Bei Bioprodukten wächst die Nachfrage zweistellig. Einige Produkte wie Hafer sind derzeit komplett ausverkauft. Haben die Bauern den Trend verschlafen?

Die Betriebe brauchen eine dreijährige Umstellungszeit. Wenn der Einzelhandel plötzlich Ökoware in sein Angebot aufnimmt, hinkt die landwirtschaftliche Produktion naturgemäß zeitlich hinterher.

Bundesagrarminister Seehofer will den Anbau von Gen-Pflanzen fördern. Hat Gentechnik auf deutschen Äckern eine Zukunft?

Für uns wird sich in der Praxis wenig oder gar nichts ändern. Der Verbraucher will solche Lebensmittel derzeit nicht, darum werden wir sie auch nicht produzieren.

Gerd Sonnleitner (58) ist seit zehn Jahren Präsident des Deutschen Bauernverbandes und bewirtschaftet einen eigenen Hof im Landkreis Passau. Das Gespräch führte Maren Peters.

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