Wirtschaft : „Die Preise liegen an der Schmerzgrenze“ Sony-Deutschlandchef hofft auf positiven Ifa-Effekt

Corinna Visser

Berlin - Sony erwartet, dass die massiven Preiseinbrüche in der Unterhaltungselektronik der Vergangenheit angehören. „Wir haben in der Branche einen radikalen Weg eingeschlagen, den wir so nicht weitergehen können“, sagte Sony-Deutschlandchef Manfred Gerdes im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Wir sind bei den Preisen an der Schmerzgrenze angekommen.“ Der Preisverfall werde sich auf jeden Fall verlangsamen. „Neue Technologien, die nur Markenhersteller entwickeln können, dürfen nicht verramscht werden. Darin sind wir uns mit den Händlern einig“, sagte er.

Von der Ifa erwartet Gerdes positive Impulse für die Branche und sein Unternehmen. „Ifa-Jahre haben immer einen positiven Effekt“, sagte er. Doch dass die Stimmung der Verbraucher sich nachhaltig verbessert habe und sie bereit seien, mehr Geld für Unterhaltungselektronik auszugeben, da ist Gerdes skeptisch. „Die Deutschen sparen so viel Geld wie noch nie. Ich kann nur an jeden appellieren, sich auch mal dem Entertainment hinzugeben und sich Spaß zu gönnen.“ Von der Politik erwarte er, dass sie neue Technologien konsequenter fördere. Im Hinblick etwa auf die neue Hoffnung der Branche, das hochauflösende digitale Fernsehen HDTV, hieße das, Lizenzen nur an Sender zu vergeben, die die neue Technik auch anwenden. „Das wäre ein Thema, das uns extrem gut weiterhelfen würde.“

Obwohl die Ifa die wichtigste Ordermesse für die Branche weltweit ist, wird sich Sony auf der Messe mit einem neuen Konzept allein auf die Konsumenten konzentrieren. „Wir wollen unsere Produkte für die Kunden erlebbar machen“, sagte Gerdes. Für die Händler wiederum hat Sony eine eigene Roadshow organisiert. Mit den 100 wichtigsten Produkten im Gepäck, die für rund 70 Prozent des Umsatzes stehen, zieht Sony durch elf Städte – von Köln über Berlin nach Kaiserslautern –, um Händler und Verkäufer vor Ort anzusprechen. „Wir haben einen wesentlich höheren Zuspruch als auf der Ifa vor zwei Jahren“, sagte Gerdes. „Wenn der Trend so weitergeht, rechnen wir mit rund 3000 Besuchern aus dem Handel.“

In einigen Bereichen hatte Sony zuletzt erhebliche Schwierigkeiten. Der japanische Elektronikkonzern hat wichtige Trends verpasst. So war er früher mit dem Walkman führend bei tragbaren Musikspielern. Bei MP3-Playern hat Apple diese Rolle übernommen. „Wir sind in einer Phase wo wir vieles angehen und verändern, um das Unternehmen zu stabilisieren“, sagte der Deutschlandchef. „Das Wachstum kommt im nächsten Jahr.“ Sony sei mit den aktuellen Produkten „an dem Punkt, wieder Marktanteile zu gewinnen“. Von April bis Juli habe Sony nach Marktforschungen der GfK seinen Marktanteil bei klassischer Unterhaltungselektronik von 9,1 auf 10,1 Prozent steigern können.

Zu der Frage, ob die Sony Deutschland GmbH, die 600 Mitarbeiter beschäftigt, im Zuge der Umstrukturierung des Konzerns mit ihrer Zentrale von Köln nach Berlin umziehen wird, sagte Gerdes, „das prüfen wir noch“. Im Sony Center Berlin, wo derzeit der Sitz von Sony Europe ist, sind Büroräume frei. „Es geht nicht um Köln oder Berlin“, sagte Gerdes. „Wir diskutieren das auf europäischer Ebene.“ Howard Stringer, der neue Chef der Sony Corporation, werde Ende September oder Anfang Oktober die neue Struktur der weltweiten Organisation vorstellen. Dem werde Sony Deutschland nicht vorgreifen. „Wir analysieren derzeit, ob wir richtig aufgestellt sind“, sagte Gerdes. Erst danach würden Standortentscheidungen getroffen. Zur Frage, ob auch ein Verkauf des Sony Centers zur Diskussion stehe, sagte Gerdes: „Das Sony Center liegt vollständig in der Verantwortung von Sony Tokio und Sony Europe. Über den enormen Wert dieser Immobilie für die Marke sind wir uns bei Sony einig.“

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