Wirtschaft : „Die Preise sind eindeutig zu hoch“

Herr Pfister, Sie haben mit der EnBW in Baden-Württemberg einen der großen Energiekonzerne. Was ist Ihnen wichtiger: ein derart starkes Unternehmen im Land oder niedrige Strompreise?

Ich habe prinzipiell nichts gegen starke Konzerne. Die sind auch in der Lage, in ihre Netze zu investieren. Dass bei uns die Netze bei Schnee nicht zusammenbrechen wie in anderen Bundesländern, ist ein Vorteil.

Verkraften Bürger und Betriebe im Wirtschaftsmusterland Baden-Württemberg die stark gestiegenen Strompreise denn besser als anderswo?

Absolut nicht. Die Preise sind eindeutig zu hoch. Wir müssten da 20 bis 30 Prozent runter, um auf europäisches Mittelmaß zu kommen.

Dennoch sind aus Baden-Württemberg bislang keine so scharfen Töne zu hören wie aus Hessen oder von der EU, die den Versorgern die Netze entreißen will.

Stromnetze und Kraftwerke zu trennen, ist durchaus der richtige Gedanke. Wer die Netze hat, bestimmt in der Regel auch, wer auf dem Strommarkt eine Chance hat. Aber: Wenn wir in zwei oder drei Jahren spürbar niedrigere Preise haben wollen, werden wir das so nicht erreichen. Wir müssten zehn bis 15 Jahre ein Heer von Juristen damit beschäftigen zu klären, ob das nicht die Rechte der Eigentümer verletzt.

Und was halten Sie von dem Vorschlag von Hessens Wirtschaftsminister Rhiel, den Stromproduzenten notfalls Kraftwerke wegzunehmen?

Ich bin letztlich zu allen Dingen bereit, die den Zugang anderer Anbieter zu den Netzen erleichtern. Fakt ist, dass 80 Prozent der Erzeugung von den großen vier Konzernen übernommen werden. Das ist kein Wettbewerb. Zunächst müssen wir aber das Kartellrecht nach den Vorstellungen von Bundeswirtschaftsminister Glos zu einem schärferen Schwert schmieden.

Nach Glos’ Plänen sollen die Stromerzeuger künftig selbst detailliert darlegen, dass ihre Preise gerechtfertigt sind. Aber haben die nicht schon längst mit ihrer Preispolitik bewiesen, dass sie das vom Kartellamt nachgewiesene Oligopol ausnutzen?

Die jüngsten Preiserhöhungen von RWE und Eon sind nicht nachvollziehbar. Wir müssen dahin kommen, dass Strompreiserhöhungen ausgesetzt werden können, bis der Beweis erbracht ist, dass sie gerechtfertigt sind. Außerdem haben wir die Möglichkeit, die Netzbetreiber zu niedrigeren Durchleitungsgebühren zu zwingen.

Und wenn das nichts hilft?

Erst wenn alle diese Wege nicht zu mehr Wettbewerb führen, sollte der juristisch heikle Weg der Trennung von Stromnetzen und Kraftwerken beschritten werden.

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