Wirtschaft : Die Preise sind weiter auf Talfahrt: Gespräche im August 12,6 Prozent billiger

Der starke Wettbewerb im Telefonmarkt sorgt für ein weiteres Purzeln der Preise. Die Verbraucher telefonierten im August 1999 um 12,6 Prozent günstiger als im Vorjahresvergleich, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Für Juli und Juni 1999 hatte das Statistische Bundesamt Preisrückgänge im Vorjahresvergleich um 12,5 und 12,4 Prozent gemeldet.

Besonders drastisch gingen die Preise bei den Ferngesprächen innerhalb Deutschlands zurück. Diese hätten sich im Vergleich zum August des Vorjahres um 43,3 Prozent verbilligt. Die Kosten für Auslandsferngespräche seien um 20,5 Prozent gesunken. Das Mobiltelefonieren sei um 25,7 Prozent preiswerter gewesen als im Jahr zuvor. Für Ortsgespräche hätten die Telefonkunden dagegen 7,4 Prozent mehr berappen müssen als noch im August 1998. Dem Verbraucherpreisindex für Telefondienstleistungen legt das Statistische Bundesamt ein auch nach der Liberalisierung des Marktes unverändertes Telefonverhalten in Deutschland zugrunde. Mobiles Telefonieren wird mit einem Zehntel in den Index einbezogen, den das Amt monatlich erstellt.

Die Telefongebühren könnten nach Informationen des Hamburger Magazins "Stern" jedoch bald wieder steigen. Besonders das Call-by-call-Verfahren, bei dem der Kunde vor jedem Telefonat mit einer Netzvorwahl einen Anbieter auswählen kann ohne einen Vertrag abschließen zu müssen, gerate unter Druck. Nach dem starken Preisverfall seit Anfang 1998 verdienten besonders kleinere Telefonfirmen schon jetzt kaum noch etwas an den Ferngesprächen. Durch Tarifsenkungen habe die Deutsche Telekom zudem viele Kunden zurückgewinnen können. Mehrere Anbieter hätten Einbrüche hinnehmen müssen. Die Telefongesellschaft Debitel hat ihr Call-by-Call-Angebot bereits eingestellt.

Experten rechneten spätestens im kommenden Jahr mit einer Fusionswelle auf dem Telefonmarkt. Zusätzlich drohe die Telekom ihren Konkurrenten mit einer Preiserhöhung: Der Ex-Monopolist rechnet für die Wettbewerber die Call-by-Call-Gespräche über die monatliche Telefonrechnung ab. Ein neues Preisangebot der Telekom sehe einen Mindestbetrag von 80 Pfennig je Rechnung vor. Dies sei zu viel für die meisten Call-by-call-Anbieter, die je Kunde und Monat im Schnitt nur sechs bis acht Mark einnähmen. Einige Telefonfirmen, darunter Mobilcom, hätten deshalb bei der Regulierungsbehörde Verfahren gegen die Telekom eingeleitet. Einen neuen Vertrag habe bislang noch keine Telefongesellschaft unterschrieben.

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