Wirtschaft : Die Produktion von "Telefon-Hardware"wird fortgeführt.

BERLIN (dw).Schon 1877 experimentierte der kaiserliche Generalpostmeister Heinrich von Stephan in der deutschen Hauptstadt mit Bell-Telefon-Apparaten.Die Geburt der Fernmelde-Technik in Deutschland ist aber untrennbar mit dem Namen Werner Siemens verbunden.Der Artillerieoffizier gründete 1847 in einem Kreuzberger Hinterhof mit einem Startkapital von 6842 Talern die "Telegraphen-Bau-Anstalt von Siemens & Halske".Das erste Produkt war der Zeigertelegraph.Der messingbeschlagene Holzkasten schickte seine Daten noch Buchstabe für Buchstabe durch die Leitung.Doch schon 1849 war zwischen Berlin und Frankfurt (Main) die erste elektrische Telegraphenlinie Europas im Betrieb: Nachrichten brauchten für die Überwindung der 500 Kilometer rund eine Stunde.Doch damit war eine Innovationslawine ins Rollen gekommen, die in direkter Linie zu Telefon, Mobilfunk, Internet und Datenautobahnen führte.Heute, 150 Jahre später, lassen sich gleichzeitig 32 000 Telefongespräche oder 24 Fernsehprogramme mit Lichtgeschwindigkeit 200 Kilometer weit auf einer einzigen haarfeinen Glasfaser übertragen.

Die rasante Entwicklung hält für den Siemens-Bereich Öffentliche Netze bis heute an.Bis 1993 machte die Konzernsparte noch 70 Prozent ihres Geschäftes mit der Deutschen Telekom.Nach dem Abschluß der Digitalisierung brach dieser Markt weg.Die Siemens AG mußte schnell reagieren, neue Kunden gewinnen und den Produktionsablauf grundlegend ändern.Leistungsorientierte Entlohnung wurde eingeführt, die Hierarchie-Ebenen in den Werken von sieben auf drei zusammengestrichen."Sonst wären wir weg vom Fenster gewesen", beschreibt der Berliner Werksleiter Werner Kalz die schmerzhafte, aber erfolgreiche Umstrukturierung.Heute liefern die Berliner Werke des Bereichs Öffentliche Netze 90 Prozent ihrer Produkte in weltweit mehr als 70 Staaten.Ihre Produktivität stieg in den vergangenen drei Jahren um 40 Prozent.Notwendig war in dieser Zeit der Abbau von 1000 Stellen auf rund 1150.Doch die Talsohle ist überwunden.Siemens stellt wieder ein: Noch in diesem Jahr will der Konzern etwa allein die Zahl seiner Mitarbeiter, die sich in Berlin mit der Entwicklung von Mobilfunk-Netzen beschäftigen, auf 180 verdoppeln.Im kommenden Jahr soll die Zahl der Mitarbeiter noch weiter wachsen.

Wie Siemens ist auch die DeTeWe Telephonwerke AG & Co.Beispiel für ein großes, traditionsreiches Berliner Unternehmen, das mit den schnellen Umbrüchen in der Telekommunikation Schritt halten konnte.Im Mai 1887 als Fabrik für Telegraphenapparate gegründet, entwickelte sich das Unternehmen zum umfassenden Anbieter von Geräten der Telekommunikationstechnik und den damit verbundenen Dienstleistungen.Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete DeTeWe mir 2164 Mitarbeitern einen Umsatz von über einer Mrd.DM.In Berlin hat das weit verzweigte Unternehmen die Produktion schnurloser Telefone und die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Bündelfunk- und Systemfunktechnik angesiedelt.

Für alle DeTeWe-Bereiche wird das Auslandsgeschäft jedoch zunehmend wichtiger.Tochtergesellschaften gibt es bereits in Dänemark, Großbritannien, Italien, der Schweiz, Tschechien und der Slowakischen Republik.Zudem verfügt der Konzern über mehr als ein Dutzend Repräsentanzen und Geschäftsstellen in Belgien, Rußland, Finnland, dem Baltikum, der Ukraine und Weißrußland.

Für Forschung und Entwicklung gab DeTeWe, wie im Vorjahr, 61 Mill.DM aus - etwa sieben Prozent des Umsatzes.Im dynamischen Wettbewerb muß DeTeWe ständig neue Absatzmärkte erschließen.So ging Anfang des Jahres in Berlin das erste privatfinanzierte, dynamische Verkehrsleitsystem mit Hilfe von DeTeWe-Bündelfunktechnik in Betrieb.Für die Daimler-Benz-Fertigung der A-Klasse organisierte das Unternehmen ein ausgeklügeltes Kommunikationssystem.Auch die Kinokette Cinemaxx versorgte das Berliner Unternehmen mit einer Telefon-Infrastruktur."Wer unsere computergestützte Telekommuniaktionstechnik konsequent in die Organisationsabläufe von Unternehmen integriert," wirbt der DeTeWe-Vorstandssprecher Karl-Heinz Rother, "erreicht ganz andere Leistungstufen von Flexibilität und Kundenorientierung."

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