Wirtschaft : Die Produzenten setzen auf den Wellness-Joghurt - Neue Produkte für den gesundheitsbewussten Kunden

kvo

Mit einer "schwarzen Null" endete das vergangene Jahr für Deutschlands Milchproduzenten. Zwar stiegen die Umsätze im vergangenen Jahr um 50 Millionen Mark von 37,55 Milliarden auf 37,6 Milliarden Mark, gleichzeitig sanken aber die Preise. Gleichzeitig stiegen die Exporte von 8,5 Milliarden auf 8,75 Milliarden Mark. "Wir hatten - wegen der Finanzkrise in Russland - Schlimmeres befürchtet", sagte der Vorsitzende des Milchindustrie-Verbandes (MIV) Manfred W. Tag am Mittwoch vor Journalisten in Berlin.

Für das kommende Jahr erwartet er leicht steigende Umsätze. Dabei setzt die Milchindustrie auf den Trend zum schnellen Essen und das gestiegene Gesundheitsbewusstsein der Kunden: "Convenience" und "Wellness" lauten die Schlagworte, die dem Kunden neue Joghurts und Milchmischgetränke schmackhaft machen sollen. Vorbild sind die probiotischen Joghurts, die erst vor wenigen Jahren auf den Markt kamen und mittlerweile Umsätze von rund 200 Millionen Mark erreicht haben. Neben neuen Joghurt- und Quarkprodukten wurde vor allem Käse gekauft. In den Neuen Bundesländern wurden, so der MIV, alte Marken aus der Umgebung wieder neu entdeckt.

Auf den Märkten außerhalb der Europäischen Union stehen die Zeichen für die Branche nach dem Rückgang 1998 und im ersten Halbjahr 1999 wieder besser: Bereits im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres stiegen die Exporte nach Russland, Fernost und in die USA. Unzufrieden ist die Branche noch mit der Preisentwicklung: Die Verbraucher konnten im vergangenen Jahr ihre Milch so billig wie schon lange nicht mehr kaufen. Das soll sich ändern: In diesem Jahr, fordert der Verband vom Handel, müssten die Preise für Milchprodukte wieder erhöht werden. "Es kann nicht sein, dass Milchprodukte nur noch als Lockartikel und mit Dauerniedrigpreisen verkauft werden", sagte Tag. Der Erzeugerpreis pro Kilogramm sei im vergangenen Jahr um 4,4 Prozent von 58,10 auf 55,14 Pfennige gesunken.

Der Verbandsvorsitzende räumte allerdings ein, dass die Struktur im Lebensmittelhandel ungünstig für die Durchsetzung höherer Preise sei: Zur Zeit machen die zehn größten deutschen Lebensmittelhändler 84 Prozent der Umsätze. Die Monopolkommission hatte bereits im Februar auf die Gefahren einer zunehmenden Konzentration im Lebensmittelhandel hingewiesen. Der MIV-Vorsitzende forderte in Berlin, dass diesen Hinweisen jetzt konkrete Empfehlungen folgen sollten. Vor allem der Verkauf unter dem Einkaufspreis müsse verhindert werden. Notfalls müssten die entsprechenden Gesetze nachgebessert werden. "Wenn der Wettbewerb so rigide bleibt, nimmt die Qualität ab - auf lange Sicht geht das zu Lasten der Verbraucher", sagte Tag.

Er warnte davor, dass die Verbraucher auch bei der Lebensmittelsicherheit das Nachsehen haben werden, wenn die Politik nicht eingreife. In Deutschland seien die Kontrollsysteme ausreichend, innerhalb der Europäischen Union müsse aber stärker auf die Sicherheitsstandards achten. Tag begrüßte das vor kurzem vorgestellte Weißbuch der Europäischen Union zur Lebensmittelsicherheit, das auch die Schaffung einer europäischen Lebensmittelbehörde vorsieht. Auch bei den EU-Beitrittskandidaten müsse darauf geachtet werden, dass sie die Lebensmittel-Standards innerhalb der EU einhielten. Tag nannte in diesem Zusammenhang vor Polen, Rumänien, Tschechien und Ungarn als die Länder mit einer besonders hohen Milchproduktion.

Im vergangenen Jahr hatte sich die Struktur bei den deutschen Molkereien mit den Fusionen und Übernahmen bei Nordmilch, Campina Melkunie, Molkerei Müller, Omira, Humana und Bayernland rasant verändert. Insgesamt ging die Zahl der Milchindustrie-Unternehmen von 165 auf 135 Unternehmen zurück, die Zahl der Betriebsstätten sank von 294 auf 270. Der MIV rechnet damit, dass es - nach einer Verschnaufpause im laufenden Jahr - auch weiterhin Fusionen zu kommen wird: Es wird erwartet, dass von den rund 135 Unternehmen in der Branche bis zum Jahr 2005 nur noch knapp hundert überleben.

Dieser Strukturwandel wird weiter eine Abbau von Arbeitsplätzen bedeuten. Die Zahl der Beschäftigten sank 1999 von 39 093 auf 38 000. "Je schneller die Liberalisierung der Märkte voranschreitet, umso deutlicher wird, dass die Erzeugerstruktur verbessert werden muss" sagte Tag.

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