Wirtschaft : Die Profis verwalten große Summen

SANDRA SCHUFFELEN (hb)

Goldene Zeiten für Geldprofis: Der beständige Kapitalzuwachs in der westlichen Welt hat das Geschäft mit der professionellen Vermögensverwaltung zu einem der profitabelsten und wachstumsstärksten Zweige im internationalen Bankgeschäft gemacht.Auch die weiteren Aussichten für Wachstum sind gut, denn die Komplexität der Finanzmärkte veranlaßt immer mehr Kunden dazu, ihr Vermögen Finanzexperten anzuvertrauen.

"Viele vermögende Kunden haben nicht die Zeit, sich mit der notwendigen Intensität um ihre finanziellen Angelegenheiten zu kümmern.Zumal komplizierte Steuergesetze, internationale Verflechtungen auf den Finanzmärkten und wirtschaftspolitische Unwägbarkeiten immer größeres Fachwissen erfordern", betont Alexander Voß, Leiter der Münchener Vermögensverwaltung von Hauck & Aufhäuser.Seine Strategie: "Für uns geht es um den langfristigen Anlageerfolg und nicht um kurzfristige Spekulation.Das Eingehen von Risiken, die nicht abschätzbar sind, ist in unserem Haus tabu", sagt Voß.So würden beispielsweise auch keine Kundengelder in Aktien des Börsensegments Neuer Markt investiert.Hauck & Aufhäuser bietet die individuelle Vermögensverwaltung ab einer halben Mill.DM an.Dieser Betrag sei notwendig, um trotz direkter Investments in einzelne Aktientitel das Vermögen ausreichend zu streuen.Um einen breiteren Kundenkreis anzusprechen, bietet das Bankhaus zusätzlich die Vermögensverwaltung über Investmentfonds an - mit einer Mindestanlage von 100 000 DM.Angesichts der steigenden Bedeutung der privaten Altersvorsorge sei das Interesse für dieses Produkt sehr hoch.

Dies bestätigt die Dresdner Bank, die in diesem Produktsegment zu den führenden Anbietern im Inland zählt.Das Institut hat die Vermögensverwaltung mit Fonds (Mindestanlage 30 000 DM) bereits seit Juli 1994 im Programm."Allein im vergangenen Jahr hat sich das Anlagevolumen in diesem Produktsegment von fünf auf elf Mrd.DM mehr als verdoppelt", berichtet Roman Trageiser, Mitglied im zuständigen Marketingteam der Dresdner Bank.Der Kunde hat drei Anlagevarianten mit unterschiedlich hohem Aktienanteil zur Auswahl.Die Depots erzielten 1997 nach Angaben der Frankfurter einen Wertzuwachs von 13,1 (konservative Variante), 17,1 (ausgewogen) und 21,4 Prozent (wachstumsorientiert).Favorisiert werde von den Kunden vor allem das ausgewogene Depot, das zur Zeit einen Anteil von rund 35 Prozent in Aktienfonds - mit Schwerpunkt Europa - investiere.

Die Deka-Gruppe, die Investmentgesellschaft der Sparkassen, setzt neuerdings in diesem Sektor auch auf das Know-how von Schweizer Finanzexperten: "Vermögensverwaltung mit Fonds auf der Basis Schweizerischer Tradition und Erfahrung" preist die Deka-Bank ihr neues Produkt "Schweiz Privatportfolio" an, das seit Mitte November 1997 im Angebot ist.Kooperationspartner ist die Genfer Privatbank Lombard Odier & Cie.Die verwaltet Vermögen eigentlich erst ab einer Mill.Schweizer Franken, beim Co-Produkt mit der Deka-Bank liegt die Eintrittsbarriere jedoch bei nur 30 000 DM."Die bisherige Resonanz ist ausgesprochen positiv.Mit bisher 3900 Depots und einem Anlagevolumen von rund 445 Mill.DM liegen wir in der oberen Bandbreite unserer Erwartungen", sagt Andreas Fink, Pressesprecher der Deka-Gruppe.Rund 80 Prozent der Anleger wählten die aktienreicheren Anlagekategorieren, überhaupt sei ein "klarer Trend hin zu Aktienfonds" erkennbar.

Neben Bankinstituten bieten in Deutschland Schätzungen zufolge rund 500 freie Vermögensverwalter ihre Dienste an.Während die Banken meist ausschließlich auf institutseigene Produkte setzen, wählen unabhängige Vermögensberater in der Regel aus allen Fonds aus, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind.In einem Punkt sind sich die Geldexperten im übrigen einig: Unfehlbar seien sie nicht."Im Fall einer Fehlentscheidung kommt es vor allem darauf an, daß der Vermögensberater seine Einschätzung schnell korrigiert.Mangelnde Selbstkritik ist da fehl am Platz", sagt Stefan Wentzel, Leiter Projektentwicklung der Hamburger Vermögensberatung BSL Asset Management, die mit dem aktienreichen Depot "Alpha" in den vergangenen fünf Jahren eigenen Angaben zufolge eine durchschnittliche Rendite von 18,9 Prozent pro Jahr erzielte.

Darin sieht auch Günter Schlösser, Geschäftsführer der seit 14 Jahren am Markt aktiven Kölner Beratungsgesellschaft Portfolio Concept, die größte Gefahr: "Wer über längere Zeit erfolgreich ist, neigt dazu, sich selbst zu überschätzen.Doch wer glaubt, den Markt im Griff zu haben, der irrt."

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