Wirtschaft : Die Querelen bei der IG Metall nehmen kein Ende

Streit um „geschmackloses“ Flugblatt Austrittswelle hält auch im Juli an

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Berlin (HB/Tsp). Die Personalquerelen an der Spitze der IG Metall sind noch nicht vorbei. Jetzt steht Gewerkschaftssprecher Claus Eilrich unter Beschuss. Er wird für ein Flugblatt verantwortlich gemacht, dessen Auslieferung der umstrittene Gewerkschaftsfunktionär Jürgen Peters gestoppt hat. Unterdessen wurde bekannt, dass die Metallgewerkschaft nach dem Führungsstreit weiter von einer dramatischen Austrittswelle überrollt wird. Allein im Juli verloren die Metaller nach Informationen des „Handelsblatts“ rund 25 000 Mitglieder. Damit setzt sich der negative Trend seit Beginn dieses Jahres unvermindert fort.

Bereits von Januar bis Ende Juni kehrten der IG Metall fast 60 000 Arbeitnehmer den Rücken, das sind beinah doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. „Unsere Mitglieder zahlen keine 20 Euro im Monat, um Zeuge eines Personalstreits zu werden, sondern sie wollen, dass ihre Interessen im Vordergrund stehen“, sagte IGMetall-Hauptkassierer Bertin Eichler dem „Handelsblatt“. Ende Juni hatte die IG Metall noch 2,585 Millionen Mitglieder.

Drastisches Sparprogramm

Laut Eichler hat der geschäftsführende Vorstand wegen der vielen Austritte ein drastisches Sparprogramm beschlossen. Die Gewerkschaft müsse ihre laufenden Budgets um zehn Prozent kürzen. Eichler, nach dem Ersten und Zweiten Vorsitzenden die Nummer drei in der IG-Metall-Spitze, rechnet mit einem Defizit in diesem Jahr von etwa 8,4 Millionen Euro. „Trotzdem sind wir finanziell gut aufgestellt und gehen mit den Mitgliedsbeiträgen sorgfältig um“, betonte er. In dem Defizit sei bereits eine Rücklage von 15 Prozent der Jahreseinnahmen für das Gewerkschaftsvermögen eingerechnet. 2002 betrug diese Rücklage 67 Millionen Euro. Experten schätzen das Vermögen der IG Metall auf mindestens drei Milliarden Euro.

Als Ursache für die Austrittswelle nannte Eichler die Arbeitslosigkeit, aber auch den Führungsstreit, die Unzufriedenheit vieler Mitglieder mit dem Streik in Ostdeutschland und mit dem Kurs der Gewerkschaft gegen die Sozialreformen der Bundesregierung.

Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete, hätten in der vergangenen Woche der kommissarische Vorsitzende Peters und Finanzchef Eichler ein millionenfach gedrucktes Extra-Flugblatt mit dem Titel „In eigener Sache – Raus aus der Krise“ einstampfen lassen.

Laut dem Bericht erfolgte der Stopp des Flugblattes mitten in der Auslieferung, 400 000 Exemplare seien in der Druckerei liegen geblieben. Grund sei ein Beitrag über den im Zuge der Führungskrise zurückgetretenen IG-Metall-Vorsitzenden Klaus Zwickel gewesen, den die IG-Metall-Spitze als „grobe Geschmacklosigkeit“ eingeordnet habe. In dem Text sei an mehrere Vorschläge Zwickels erinnert worden, die „in der IG Metall keine Mehrheit fanden“. Zudem habe es geheißen, er sei „durch die Mannesmann-Affäre 2001 persönlich angeschlagen“ gewesen. Unangenehm aufgefallen sei der IG-Metall-Spitze zudem eine Passage, wonach die Personaldebatte „vorerst“ beendet sei, berichtete das Magazin.

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