Wirtschaft : Die Rambos unter den Staatsanwälten räumen auf

AXEL GRANZOW / ERWIN SCHNEIDER (HB)

BOCHUM .Drohbriefe hat er noch nie erhalten, aber Dankesbriefe.Immer mit dem gleichen Tenor: Bewunderung für die Ermittlungen à la Ruhrpott-TV-Kommissar Schimanski gegen "die da oben".Darauf ist Josef Wewers, Oberstaatsanwalt bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft Bochum, stolz.Denn: "Die Kleinen hängt man, und die Großen läßt man laufen, so etwas gibt es bei uns nicht", sagt der Jurist, der die Bosse an der Ruhr das Fürchten lehren möchte.Die Bochumer gelten als die Rambos unter den deutschen Staatsanwälten.Die auch schon mal hart am Rande der Legalität operieren würden, um ihre Ziele zu erreichen.

Unter den durchschnittlich 500 Aktenzeichen pro Jahr in Bochum sorgen immer wieder spektakuläre Fälle für Schlagzeilen: Die Ermittlungen gegen die Bosse, beispielsweise den ehemaligen Chef der Veba Immobilien AG, Ulrich Lilienthal.Drei von 22 Dezernenten befassen sich allein mit den zahlreichen Aktenzeichen, hinter denen Veba steckt - und das nun bereits seit mehr als zwei Jahren."Wir sind noch lange nicht am Ende angekommen", betont Wewers.Ermittelt wird in der Veba-Affäre gegen 50 Manager und Inhaber von Zulieferunternehmen wegen Untreue und Korruption.Die Vorwürfe reichen von Scheinrechnungen für private Gartenarbeiten über schwarze Kassen bis hin zu Bestechung und Betrug.Mitarbeiter der Veba haben aus persönlicher Habgier nicht selten gemeinsam mit Zulieferfirmen kräftig in die Kasse gegriffen.Ob dies mit oder ohne Billigung ihrer Vorgesetzten geschah oder gar Selbstbedienung mit System war, ist Gegenstand der Ermittlungen.Im Fadenkreuz der aktuellen Ermittlungen steht Veba Immobilien-Boss Lilienthal.Bereits zweimal verhaftet und wieder auf freien Fuß gesetzt, wird gegen ihn wegen der Vorteilnahme von 40 000 DM für die unkorrekt abgerechnete Pflege seines Gartens ermittelt.Lilienthal bestreitet dies.

Die Veba ist naturgemäß auf Rufschaden-Begrenzung bedacht - zumal scheinbar ein Skandal den nächsten jagt.Angefangen hatte es vor vier Jahren mit 16,2 veruntreuten Millionen beim "Hamburger Hof", einer Versicherungstochter.Als Drahtzieherin wird Bärbel Ruske beschuldigt, sie kann wegen depressiver Verstimmung bis heute von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft in ihrem Fall noch immer nicht angeklagt werden, plaudert aber in Bochum munter aus der Schule.Im März wurde bekannt, daß eine mittlerweile liquidierte Tochter der Stinnes AG in USA durch Bilanzfälschung um 55 Mill.Dollar betrogen worden ist.

Veba-Chef Ulrich Hartmann fürchtet dennoch weniger die Staatsanwälte als das geschädigte Image.Weitere Enthüllungen könnten die Kursentwicklung der Aktie negativ beeinflussen.Schon am Anfang stand eine Panne.Ins Rollen gekommen ist die Veba-Affäre durch eine Anzeige des Konzerns.Zuvor hatte ein "privater Ermittler" der Veba seine Erkenntnisse über die Machenschaften von Veba-Managern, Mitarbeitern und Zulieferfirmen zum Kauf angeboten.Die Veba griff zu.Potentielle Käufer, etwa Enthüllungsmagazine, hätten sicherlich ein nettes Sümmchen locker gemacht, um die brisanten Dokumente zu ergattern.

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