Wirtschaft : Die Rechnung

Teuerungsrate steigt auf 2,4 Prozent – und so hoch wird sie erstmal bleiben

Stefan Kaiser

Berlin - Die Verbraucherpreise steigen in Deutschland so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Im September lagen sie um durchschnittlich 2,4 Prozent über dem Vorjahreswert, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Im Juli und August hatte die Teuerungsrate der Lebenshaltungskosten noch bei 1,9 Prozent gelegen. Ökonomen rechnen damit, dass sie in den nächsten Monaten auf hohem Niveau bleiben wird.

Verantwortlich für den Anstieg in Deutschland sind vor allem die höheren Preise für Kraftstoffe und einige Lebensmittel. So kostete Normalbenzin im September 9,9 Prozent mehr als vor einem Jahr, bei Diesel waren es 6,3 Prozent. Dahinter steht die dramatische Entwicklung des Ölpreises in den vergangenen Monaten. Am Dienstag erreichte er den dritten Tag in Folge einen neuen Rekord: Ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl kostete am Mittag 87,97 Dollar. Gegen Abend fiel der Preis wieder leicht.

Die Inflation wird aber nicht nur von steigenden Energiepreisen getrieben: Auch viele Lebensmittel sind deutlich teurer geworden. Im Schnitt kosteten Nahrungsmittel im September 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Milch- und Getreideprodukten waren die Steigerungen aber rasanter: Butter kostete 43,1 Prozent mehr, Speisequark 25,9 Prozent. Auch für das Frühstücksbrötchen mussten Verbraucher 6,2 Prozent mehr bezahlen. Deutlich günstiger wurden dagegen Gemüse und Salat, deren Preise um durchschnittlich knapp sechs Prozent fielen. Auch Elektrogeräte wurden billiger.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) räumte ein, dass seit Sommer einige Artikel teurer geworden seien, machte dafür jedoch vor allem höhere Erzeuger- und Produzentenpreise verantwortlich. „Erhöhen sich die Beschaffungspreise derart, bleibt dem Handel gar nichts anderes übrig, als dies auch an die Verbraucher weiterzugeben“, erklärte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. Er erwarte, dass sich der Preisanstieg bei Lebensmitteln in diesem Jahr bei gut zwei Prozent einpendeln werde. Der Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) klagte, die „Panikstimmung“ der Öffentlichkeit sei nicht gerechtfertigt. Die Preise für Lebensmittel hätten sich in Deutschland seit vielen Jahren unterdurchschnittlich entwickelt und würden jetzt nur den Rückstand aufholen, sagte Verbandschef Jürgen Abraham

Auch die Kosten für Bildung sind laut Statistischem Bundesamt im Jahresvergleich drastisch gestiegen (plus 27 Prozent). Als Grund nennt das Amt die Einführung der Studiengebühren in fünf Bundesländern im Frühjahr.

Experten rechnen damit, dass die Teuerungsrate weiter hoch bleiben wird. „Wir werden noch eine Weile über zwei Prozent liegen“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, dem Tagesspiegel. Für 2008 erwartet er allerdings einen Rückgang. Beim Ölpreis werde der Unterschied zum Vorjahresmonat im Laufe der Zeit immer geringer. So stand der Ölpreis im Januar 2007 bei 50 Dollar, im Juni dagegen schon bei mehr als 70 Dollar. Im Juni 2008 wäre der jährliche Abstand also deutlich kleiner, auch wenn der Preis auf dem hohen derzeitigen Niveau bliebe.

Bei den Lebensmitteln rechnet Heise dagegen mit einer echten „Beruhigung“ der Preise im kommenden Jahr. „Die Anbieter werden die Produktion von Milchprodukten, Getreide und Fleisch ausweiten“, sagte der Ökonom. Das steigende Angebot werde den Preisanstieg eindämmen.

In der Euro-Zone stieg die Inflationsrate im September auf 2,1 Prozent und damit erstmals seit mehr als einem Jahr über den Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von maximal zwei Prozent. Höhere Zinsen hält Heise deshalb trotzdem nicht für notwendig. Die sich abkühlende Konjunktur und die anhaltenden Turbulenzen auf den Finanzmärkten sprächen dagegen. Auch Carsten Klude, Chefvolkswirt bei M.M. Warburg, plädiert für das derzeitige Leitzinsniveau von vier Prozent. „Die EZB wird in den nächsten Monaten wohl nichts daran ändern.“

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