Wirtschaft : „Die Regierung muss mehr für die Anleger tun“

Aktionärsschützer Nieding über mangelde Risikovorsorge

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KLAUS NIEDING

ist Rechtsanwalt und

Präsident des Deutschen Anlegerschutzbundes

Foto: dpa

Herr Nieding, künftig können auch deutsche Anleger hochriskante HedgeFonds kaufen. Empfehlen Sie den Einstieg?

Das ist kein Produkt für Otto-Normalanleger, sondern etwas für Anleger, die schon Erfahrung haben. Der Hinweis der Bundesregierung, dass die zugelassenen Hedge-Fonds nur als Dachfonds aufgelegt werden und deshalb sicherer sind, ist Augenwischerei. Das Risiko eines Totalverlustes wird dadurch nicht minimiert.

Reichen die vorgesehenen Warnhinweise nach dem Vorbild der Zigarettenindustrie: „Achtung, Totalverlust möglich“?

Nein. Die Gefahr ist groß, dass diese Hinweise zu Vertriebszwecken heruntergeredet werden. Hat schon einmal jemand mit dem Rauchen aufgehört, weil es Warnhinweise auf Zigarettenschachteln gibt? Eher nicht.

Muss die Regierung mehr für die Anleger tun?

Ja. Der Gesetzgeber muss den Anbietern, die Hedge-Fonds in Deutschland vertreiben oder auflegen, klarere Vorgaben machen, dass der Anleger umfassend über die Risiken aufgeklärt werden muss. Es ist Aufgabe der Finanzaufsicht, die Umsetzung zu kontrollieren.

Ist sie dazu in der Lage?

Ich habe Zweifel. Der Bund muss seiner Verantwortung gerecht werden und das Aufsichtsamt personell und materiell besser ausstatten. Dann könnten etwa auch neue Fonds in weniger als sechs Monaten genehmigt werden – ohne, dass die Qualität leidet.

Sollten für alle riskanten Fonds Mindestanlagesummen vorgeschrieben werden?

Im Gegenteil. Wenn kleine Beträge ausgeschlossen werden, fließen ja eher größere Summen in die Fonds. Im Prospekt müsste stattdessen die Empfehlung stehen, dass Anleger nur einen Teil ihres Vermögens, etwa fünf Prozent, in Risikofonds stecken sollten. Aber es kann bei Empfehlungen bleiben. Ich halte nichts von gesetzlichen Obergrenzen.

Fordern Sie auch für andere Fondstypen solche Empfehlungen?

Ja, etwa bei den riskanten Optionsscheinfonds. Hier müsste der Gesetzgeber ohnehin schärferen Anlegerschutz vorschreiben. Generell halte ich die Anlagepolitik der meisten Fonds immer noch für nicht transparent.

Ist das Investmentmodernisierungsgesetz zu liberal geraten aus Ihrer Sicht?

An einigen Stellen ist das Gesetz problematisch. Zum Beispiel ist der Begriff Investment künftig nicht ausreichend gegen Missbrauch geschützt. Oder: Die Fondsgesellschaften dürfen in Zukunft Ausgabe- und Rücknahmepreise nur noch auf ihren Internetseiten veröffentlichen. Heute reicht ein Blick in die Zeitung. Das ist anlegerfeindlich.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer.

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