Wirtschaft : Die reichen Alten

Eine Studie stiftet Verwirrung über die Einkommen von Senioren

Robert von Rimscha

Berlin. Die Meldung ließ aufhorchen. 80 Prozent der Senioren in Nordrhein-Westfalen leben in „guten bis sehr guten“ finanziellen Verhältnissen. So hieß es am Montag. Und weiter: Mit einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von netto 2550 Euro verfügten die Alten an Rhein und Ruhr über 500 Euro mehr als der Durchschnittshaushalt. „Bild“ machte daraus die Überschrift: „Rentner reicher als Normal-Verdiener!“

Die überraschende Meldung vom klammheimlichen Altersreichtum in NRW basiert auf einer Studie, die das Familienministerium in Düsseldorf in Auftrag gegeben hat. Ziel war es, Konsumgewohnheiten und Konsummöglichkeiten der Älteren zu prüfen. „Bundesweit einmalig“ sei die Erhebung, lobte sich Familienministerin Birgit Fischer. Und machte denn auch gleich ein „Potenzial von 100 000 neuen Arbeitsplätzen in NRW“ aus, wenn denn nur die Kaufkraft der Alten in den Konsum fließe. „Das Geld dafür haben sie“, so Fischer über ihre älteren Mitbürger.

Die Verfasser der Studie haben tatsächlich sehr breit erhoben. 5013 Privathaushalte in Nordrhein-Westfalen wurden befragt. Das Kriterium für die Auswahl lautete: „Mindestens eine Person im Alter zwischen 55 und 80 Jahren“ musste in dem befragten Haushalt leben. Der 57-jährige Bauunternehmer mit seiner 43-jährigen Frau, die Staatsanwältin ist, der 61-jährige Wirtschaftsprofessor mit seiner 52-jährigen Frau, die Chefärztin ist, der 55-jährige Ministerialdirektor, dessen 39-jährige Frau ein Architektenbüro leitet – sie alle sind in der angeblichen Rentner-Studie mit enthalten. Denn stets bilden sie einen Haushalt mit einem mindestens 55-Jährigen. So verwundern die Zahlen, die jenen beispielsweise des DIW über Altersarmut in Deutschland eklatant zu widersprechen scheinen, nicht länger.

Auf der Basis ihrer Befragungen kommen die Autoren zu dem Schluss, dass nur gut 50 Prozent der Einkünfte aus Renten und Pensionen stammen. Erwerbsarbeit ist noch immer eine weitere wichtige Einkommensquelle. Nach Abzug der Fixkosten stehen den „Seniorenhaushalten“ danach 1492 Euro zur freien Verfügung. Und immerhin 15 Prozent haben ein Barvermögen von über 51 000 Euro.

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