Wirtschaft : Die Reichen werden reicher

Die Gehälter in der Metallbranche steigen mit dem Tarifabschluss noch weiter.

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Shake Hands. Foto: dpa
Shake Hands.Foto: dpa

Berlin - In der wichtigsten Branche der deutschen Wirtschaft haben die Tarifpartner einen bundesweiten Streik abgewendet. Am frühen Mittwochmorgen einigten sich die IG Metall und die Arbeitgeber in Bayern auf eine Lohnanhebung von 5,6 Prozent in zwei Stufen. Allerdings sind die Maschinenbauer mit dem Kompromiss nicht einverstanden. Er sei „nur eingeschränkt verkraftbar“, urteilte Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA – weil er den Betrieben zu wenig Spielraum gebe.

Der Abschluss in Bayern soll Pilotcharakter auch für andere Bezirke haben. In mehreren Bezirken, darunter auch Berlin, wollen die Parteien bald darüber verhandeln. Die Lohnsteigerung für die 3,7 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie soll in zwei Stufen stattfinden – eine um 3,4 Prozent zum Juli dieses Jahres, die zweite um 2,2 Prozent zum Mai 2014. Die Laufzeit beträgt allerdings 20 Monate. „Den bayerischen Tarifparteien ist in Rekordgeschwindigkeit und ohne verstaubte Rituale ein Pilotabschluss gelungen“, lobte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger. Erstmals seit 1995 ist der Musterabschluss wieder hier verhandelt worden statt im Nachbarland Baden-Württemberg. „Das ist ein fairer Kompromiss“, bilanzierte auch IG-Metall-Chef Berthold Huber. „Die Metall- und Elektroindustrie hat sichere Leitplanken. Das ist ein Wert an sich in den sehr volatilen wirtschaftlichen Zeiten.“ Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sprach von einem „fairen Abschluss“.

Die IG Metall hatte ursprünglich 5,5 Prozent mehr Geld gefordert. Das Angebot der Arbeitgeber lag dagegen nur bei 2,3 Prozent. Im Gegenzug für die nun recht deutliche Lohnerhöhung ließen sich die Gewerkschaften auf eine lange Laufzeit des Tarifvertrags ein. Mit der Forderung nach Öffnungsklauseln, die Betrieben in einer eher schlechten Wirtschaftslage hohe Lohnaufschläge ersparen sollten, konnten sich die Unternehmen dagegen nicht durchsetzen.

Genau daran stoßen sich die Maschinenbauer. Die aktuelle und zukünftige Lage in den einzelnen Bereichen sei „extrem unterschiedlich“, sagte VDMA-Mann Hesse. „ Für einige Unternehmen führt der Abschluss zu einer zusätzlichen Belastung, die keineswegs einfach zu schultern sein wird.“ Mit flexibleren Regelungen hätten die Betriebe darauf besser reagieren können.

Der in der vierten Verhandlungsrunde erzielte Abschluss ersparte der Branche allerdings auch weitere Arbeitskämpfe. Die IG Metall hatte in mehreren Landesverbänden parallel mit den Arbeitgebern verhandelt und mit Warnstreiks Druck gemacht. Bundesweit hatten sich laut IG Metall mehr als 750 000 Beschäftigte an den Aktionen beteiligt.

Wirtschaftsforscher nannten den Abschluss dagegen für die Branche verkraftbar und sprachen von positiven Effekten für die Binnennachfrage. „Die Weltwirtschaft wird im Laufe des Jahres anziehen, so dass die Firmen das verkraften können“, sagte Carsten Brzeski von der ING Diba. Vor allem im Metallsektor gelten die Produkte deutscher Hersteller als wenig preissensibel, da sie einen technisch guten Ruf genießen.

Ungelöst sind dagegen derzeit noch Tarifkonflikte in anderen wichtigen Branchen. Im Einzelhandel haben die Arbeitgeber bundesweit alle Einkommens- und Manteltarifverträge gekündigt. Sie laufen regional unterschiedlich bis Ende Mai aus. Im Groß- und Außenhandel wird Ende Mai weiterverhandelt. Geeinigt haben sich in den vergangenen Monaten bereits die Tarifpartner im Bauhauptgewerbe (3,2 Prozent mehr), in der Stahlbranche (3,2 Prozent im Westen, 4,0 Prozent im Osten) und in der Eisen- und Stahlindustrie (3,0 Prozent). Außerdem vereinbarten Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst einen Aufschlag von insgesamt 5,6 Prozent über zwei Jahre. Carsten Brönstrup

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