Wirtschaft : Die Reihen fest geschlossen

Die Mehrheit der Länder stellt auf stur und lässt die Tarifverhandlung im öffentlichen Dienst platzen

Alfons Frese

Berlin - Die Dramaturgie der Nacht zeichnete sich schon am Freitagnachmittag ab. Mehr als drei Stunden brauchten die Arbeitgeber für interne Beratungen. Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), sein Kollege Horst Metz aus Sachsen (ebenfalls CDU) und der schleswig-holsteinische Innenminister Ralf Stegner (SPD) hatten enormen Abstimmungsbedarf. Verdi-Chef Frank Bsirske und seine Leute schlenderten derweil gelangweilt durch das Foyer der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin und warteten darauf, dass die Tarifverhandlungen um Arbeitszeit sowie Weihnachts- und Urlaubsgeld für die rund 900 000 Arbeiter und Angestellten der Bundesländer endlich in Schwung kamen. Viel gebracht hat die aufwendige Abstimmung der Länderminister nicht, wie am späten Abend zu beobachten war. Da standen sich Möllring und Stegner gegenüber, zwei Meter Sicherheitsabstand, und blafften sich an. Es hatte sich bestätigt, was in den Kreisen der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) seit Monaten gemunkelt wird: Verhandlungsführer Möllring akzeptiert nur einen Abschluss zu seinen Bedingungen.

Dass die Nacht trotzdem lang wurde – erst gegen zwei Uhr morgens wurden die Verhandlungen für acht Stunden unterbrochen – lag an den vielen Vier-Augen-Gesprächen. Und an den Handys. Die Minister telefonierten permanent mit ihren Ministerpräsidenten. Eine Schlüsselfigur dabei: Sachsens Finanzminister Metz. Eigentlich ist der nicht weniger moderat und kompromisswillig als der SPD-Mann Stegner. Doch der Dresdner Ministerpräsident Georg Milbradt soll Metz fernmündlich auf Möllring-Linie gebracht haben, erzählt man sich am Rande der Verhandlungen.

Wer alles wen in dieser Nacht eingenordet hat, bleibt spekulativ. Aber es gelingt jedenfalls dem Möllring-Lager, auch die Wackelkandidaten unter den CDU-Regierungschefs zu stabilisieren. Also auch Baden-Württembergs Günther Oettinger, der am stärksten vom Streik betroffen ist und in zwei Wochen wiedergewählt werden möchte. Der Tarifpoker ist aussichtslos: „Wir können vorschlagen, was wir wollen, es bringt nichts“, heißt es bitter bei Verdi. „Die wollen uns verarschen.“ Noch in der Nacht will die Gewerkschaft die Veranstaltung nicht platzen lassen. Besser am Vormittag, wenn mehr Medienvertreter da sind.

Kurz vor zehn treffen die Hauptdarsteller wieder in der niedersächsischen Landesvertretung zwischen Leipziger Platz und Holocaust-Mahnmal ein. Gastgeber Möllring ist schon da. Stegner sagt zum x-ten Mal „ich will eine Einigung“ und Bsirske stöhnt zum x-ten Mal „Möllring will nicht“. Konrad Freiberg, Chef der Polizeigewerkschaft spricht von „Sabotage“. „Wenn ein Polizist sich so benehmen würde wie der Brandstifter Möllring, dann wäre der innere Frieden in Gefahr“, schimpft Freiberg.

Dann ziehen sich die Gewerkschafter zu internen Beratungen zurück. Es wird beinahe halb zwölf, bis sich die Kombattanten in den Aufzug begeben und zum Verhandlungsraum in den vierten Stock fahren. Endlich. Doch kaum ist der Aufzug oben, kommt er auch schon wieder runter. Verhandlungsführer Möllring, sekundiert von Metz, stellt sich durchaus nicht niedergeschlagen vor die Kameras. „Die Angebote waren nicht ausreichend.“ Und zwar „hinten und vorne nicht“. Irgendwann, so meint Möllring, würden die Verhandlungen wohl weitergehen. Ein paar Meter weiter steht Stegner und verzieht das Gesicht.

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