Wirtschaft : Die Reise geht weiter

Die Touristikbranche blickt optimistisch in dieses Jahr – nur die Vogelgrippe trübt die Stimmung

Flora Wisdorff

Berlin - Kurz vor der Eröffnung der 40. Internationalen Touristikbörse (ITB) in der kommenden Woche in Berlin blickt die Branche optimistisch ins Jahr. „Nach den schwierigen Jahren 2002 und 2004 werden wir bis Ende dieses Jahres die Spitzenwerte von 2001 wieder erreichen“, sagte Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes (DRV), am Freitag in Berlin. Die Vorzeichen dafür stünden gut, sagte Laepple.

Ziel sei, die alte Rekordmarke von 21 Milliarden Euro Umsatz wieder zu erreichen. Auch die Weltmeisterschaft werde dazu beitragen – nicht nur, weil Gäste nach Deutschland kommen. „Wegen der WM streichen die Deutschen nicht ihren Sommerurlaub“, sagte Laepple. Der Juni sei ein extrem stark gebuchter Monat.

Die Tourismusbranche war nach den Terroranschlägen im Jahr 2001 in eine Krise gerutscht. Die Angst vor dem Reisen und die Konsumzurückhaltung, die wegen des stagnierenden Wirtschaftswachstums auf die Anschläge folgten, ließen Umsätze und Gewinne der Touristikunternehmen schrumpfen. Tiefpunkt war das Reisejahr 2002/2003 mit 17,8 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr ging es dann wieder bergauf. „Das Umfeld ist nach wie vor schwierig“, sagte Laepple.

Dennoch wuchs die Reisebranche 2005 erneut kräftiger als die deutsche Wirtschaft, sagte Laepple. Die deutschen Reiseveranstalter hätten ihren Umsatz um fünf Prozent auf 20 Milliarden Euro gesteigert. Dieses Plus habe es trotz Naturkatastrophen wie dem Tsunami in Südostasien oder dem Auftreten der Vogelgrippe im Herbst gegeben. Zusammen mit der Vermittlung von Versicherungen, Mietwagen, Ausflugsangeboten und weiteren Einzelleistungen sei der Umsatz auf 19,4 Milliarden Euro gestiegen.

Laepple warnte vor einer Panik im Hinblick auf die Vogelgrippe. „Die Reisebranche nimmt das Thema ernst. Grund zur Panik oder zu Warnungen besteht nicht“, sagte er. Bislang sei die Vogelgrippe eine Tierseuche. Noch habe sich kein Urlauber mit dem Virus H5N1 infiziert. Auch sei kein Fall bekannt, in dem das Virus sich von Mensch zu Mensch übertragen habe. Reisende müssten sich nicht fürchten, sollten aber die Empfehlungen von Behörden und Medizinern beherzigen und Distanz zu Federvieh wahren. „Wenn durch die Vogelgrippe eine Gefährdung für Reisende entstehen sollte, würden die Krisenmanager der Reisebranche sofort handeln“, sagte Laepple. Die Unternehmen stünden in ständigem Kontakt mit Behörden, Ministerien und medizinischen Instituten. Das Krisenmanagement der Branche habe sich vor gut einem Jahr nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien bewährt.

Die weltweit führende Reisemesse hat in ihrem 40. Jahr erneut ihre Ausstellerzahl gesteigert. Mit 10 856 Teilnehmern aus 183 Ländern verzeichne die ITB eine Rekordbeteiligung, teilte der Chef der Messe Berlin, Christian Göke, am Freitag mit. Das sei ein erneuter Zuwachs von 4,3 Prozent. Rückenwind für die am Mittwoch beginnende ITB gebe insbesondere die wieder bessere wirtschaftliche Stimmung in Deutschland. Die verstärkte Nachfrage komme vor allem aus Indien, das erstmals eine eigene Halle mit einer Fläche von 2000 Quadratmetern belege. Aber auch die arabischen Länder engagierten sich mit einem Zuwachs von 35 Prozent an Ausstellungsfläche.

Die ITB will den Blick auf die strategischen Fragen der sich rapide wandelnden Touristikwelt richten. „Das zentrale Thema der ITB ist , dass sich das touristische Geschäft zunehmend globalisiert“, sagt ITB-Chef Martin Buck. In Westeuropa oder auch in Nordamerika sei nicht mehr viel Wachstum zu erwarten. „Dagegen nimmt das Interesse an Reisen in Osteuropa und vor allem Asien rapide zu.“

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