Wirtschaft : Die Reise von Außenminister Fischer soll auch der Wirtschaft nützen

Wolfgang Drechsler

Afrikas Wirtschaft macht nur selten Schlagzeilen in Deutschland. Das Interesse deutscher Unternehmen am schwarzen Kontinent ist gering und auch in der Politik beschränken sich die Beziehungen nicht selten auf das Krisen-Management. Das erstaunt wenig, ist der Kontinent in den vergangenen Jahren doch mehr durch seine Probleme als seine Erfolgsmeldungen aufgefallen - vom Aufstand in Biafra, dem scheinbar endlosen Bürgerkrieg in Angola und den Hungersnöten in Äthiopien und Somalia bis hin zum Völkermord in Ruanda.

Die Reise, die den deutschen Außenminister Joschka Fischer (Grüne) in dieser Woche nach Nigeria, Mosambik und Südafrika führt, soll aber nicht nur politisches Symbol sein, sondern auch deutsche Investoren ermutigen. Gegenwärtig steuert der Warenaustausch mit den 48 schwarzafrikanischen Staaten nur einen verschwindend geringen Teil zum deutschen Außenwirtschaftsgeschäft bei: 1998 gingen knapp zwei Prozent der deutschen Exporte in den schwarzen Kontinent. Gleichzeitig verringerte sich der Anteil Afrikas an den deutschen Gesamteinfuhren auf 1,8 Prozent. Noch ernüchternder ist ein genauerer Blick auf die Produkte: Mehr als ein Viertel der deutschen Einfuhren aus Afrika bestand aus Rohöl, dessen Beschäftigungseffekt sehr gering ist. Zudem wurden aus Afrika Rohstoffe wie Kakao, Kaffee und Südfrüchte sowie Gold, Ferrochrom und Platin nach Deutschland eingeführt.

Der Blick auf die Handelsbilanz zeigt aber auch, weshalb Südafrika für Deutschland einen weit höheren Stellenwert als jedes andere afrikanische Land genießt: 1998 nahm die Kap-Republik mit 6,3 Milliarden Mark über ein Drittel aller deutschen Exporte nach Afrika ab, das entsprach einem Zuwachs von acht Prozent. Gleichzeitig erhöhten sich die deutschen Einfuhren vom Kap um 18 Prozent auf 4,2 Milliarden Mark. Nach dem nun unmittelbar bevorstehenden Abschluß eines Freihandelsabkommens mit Südafrika dürfte der Außenhandel noch weiter an Bedeutung gewinnen.

Ernsthaftigkeit kann man Joschka Fischers knapp fünftägiger Visite nicht absprechen: Schon die Auswahl der drei Länder, die er seit Montag bereist, stellt ein Plädoyer für demokratische Regierungen und die wirtschaftliche Öffnung des Kontinents dar. Es sind alles Führer, deren Zukunftsversion sich nicht mit Schweizer Konten, sondern dem Vorankommen ihrer Länder befaßt.

Begonnen hat Fischers Reise am Montagabend in Nigeria bei dem erst vor einem Jahr demokratisch gewählten Präsidenten Olesegun Obasanjo. Dieser braucht Hilfe derzeit dringender denn je: Ethnisch-religiöse Unruhen im islamischen Norden, Aufstände im ölreichen Nigerdelta und die von den Militärs ererbte Wirtschaftsmisere haben ihn und die junge Demokratie schon gleich zu Anfang schwer in Bedrängnis gebracht.

Am Mittwoch wird Fischer in das von einer Flutkatastrophe verwüstete Mosambik weiterfliegen. Obwohl sich Fischer in der Hafenstadt Beira über die Lage in den überschwemmten Regionen informieren und deutsche Soldaten besuchen wird, will der deutsche Außenminister mit seiner Präsentz vor allem ein Zeichen setzen: Mosambiks Präsident Chissano soll ermutigt werden, an dem eingeschlagenen Weg der wirtschaftlichen und politischen Öffnung seines vom Bürgerkrieg zerstörten Landes festzuhalten.

Ihren Abschluß wird die Reise des Außenministers am Donnerstag und Freitag in Südafrika nehmen, dem wichtigsten Partner Deutschlands auf dem Schwarzen Kontinent. Hier wird Fischer unter anderem Präsident Thabo Mbeki, den Nachfolger Nelson Mandelas, treffen und an der Zusammenkunft der binationalen Kommissison beider Staaten teilnehmen.

Afrika selbst dürfte den größten Gewinn weniger aus materiellen Segnungen als aus der Reiseroute ziehen: Demonstrativ meidet der deutsche Außenminister all jene Länder, in denen wie in Kenia oder Simbabwe autoritäre Machthaber das Sagen haben. Die Stationen der Reise lassen keinen Zweifel an der Botschaft Fischers: Afrika entwickelt sich in die zwei Richtungen "Demokratie" und "Totalitarismus". Simbabwe mit seinem immer unberechenbareren Präsidenten Robert Mugabe gilt längst nicht mehr wie noch in den achtziger Jahren als das Vorzeigeland des Kontinents. Je stärker die wirtschaftlichen Probleme drängen desto lauter wird Mugabes rassistische und anti-westliche Rhetorik: Den verheerenden wirtschaftlichen Niedergang des Landes schiebt er der winzigen Zahl weißer Investoren in die Schuhe.

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