Wirtschaft : „Die Rentner kommen nicht schlechter weg“

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Herr Weiß, ist die Rente mit 67 ein großes Rentenkürzungsprogramm, wie es die Gewerkschaften behaupten?

Die Anhörung der Fachexperten hat deutlich gemacht, dass die Behauptung einer Rentenkürzung schlichtweg falsch ist. Wenn wir die Rente mit 67 einführen, wird die Rentenbezugsdauer für die Betroffenen länger sein als für die heutigen Rentnerinnen und Rentner. Außerdem bewirkt der in die Rentenformel eingebaute Nachhaltigkeitsfaktor dann, dass wieder deutliche Rentensteigerungen möglich sind. Würden wir das bisherige Recht beibehalten, dann würde dieser Faktor eher weitere Nullrunden produzieren. Finanziell werden die Rentner also durch die Rente mit 67 nicht schlechter wegkommen als nach dem alten Rentenrecht. Wer die Rentenformel kennt und richtig rechnet, muss den Vorwurf einer Rentenkürzung zurückweisen.

Bedingung ist dann aber, dass deutlich mehr Beschäftigte bis zur Rente in einem sozialversicherungspflichtigen Job bleiben als bisher. Ist damit denn zu rechnen?

Es ist richtig: Die Rente mit 67 macht nur Sinn, wenn sich auch die Beschäftigungssituation älterer Arbeitnehmer deutlich verbessert. Deshalb gibt es die Initiative 50plus. Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren bereits verbessert, wir haben also bereits eine Trendumkehr. Aber dieser Trend muss sich in den kommenden Jahren noch deutlich steigern. Ich gehe davon aus, dass wir dieses Ziel erreichen können. Das ist schon deshalb möglich, weil die Rente mit 67 erst im Jahr 2029 in Kraft tritt – also just dann, wenn sich schon die Hälfte der geburtenstarken Jahrgänge, die jetzt noch im Erwerbsleben stehen, im Ruhestand befinden.

Die jugendfixierten Arbeitgeber müssten bis dahin noch ganz schön umdenken…

In der Tat muss sich bei den Arbeitgebern einiges ändern, was die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer anbelangt. Die Tarifpartner sind hier in einer ganz besonderen Verantwortung. Sie müssen die Voraussetzungen für die Beschäftigung Älterer und vor allem deren berufliche Fort- und Weiterbildung verbessern. Zum Teil geschieht das heute schon in neuen Qualifizierungs-Tarifverträgen .

Was halten Sie denn von der Äußerung des Wirtschaftsministers, dass die Rente mit 67 nicht genügen könnte und man möglicherweise noch mal drauflegen müsste?

Ich bin über solche Äußerungen nicht glücklich. Wir sollten zunächst einmal das nicht einfache Vorhaben der Rente mit 67 realisieren. Vielleicht wollte Michael Glos aber auch nur deutlich machen, dass die Lebenserwartung steigt und uns in die Pflicht nimmt, die sozialen Sicherungssysteme noch stärker auf den dramatischen demografischen Wandel einzustellen und vorzubereiten.

Die Fragen stellte Rainer Woratschka.

Peter Weiß (50) ist CDU-Abgeordneter und Berichterstatter für Alterssicherung

im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales. Außerdem sitzt er im Zentralkomitee der Katholiken.

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