Wirtschaft : Die „Retter“ geben auf

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Von Dieter Fockenbrock

Die Entscheidung über das Schicksal des BombardierWerks in Ammendorf ist verschoben. Die Reise der 750 Waggonbauer aus Sachsen-Anhalt nach Berlin war nicht ganz umsonst. Der Aufsichtsrat des kanadischen Bahntechnikonzerns wollte am Dienstag nicht entscheiden – noch nicht. Dass im Herbst nächsten Jahres aber die letzten S-Bahnen in Halle durch die Werkstore rollen, das ist so gut wie sicher.

Der Unmut der Arbeiter ist verständlich. Denn mit dem Werk, das noch vor zehn Jahren Tausende von Arbeitsplätzen bot, verschwindet die letzte Industriebastion in der Region. Nur diesmal kommt kein Kanzler, der Rettung verspricht. Vor zwei Jahren sollte die Fabrik schon einmal geschlossen werden. Gerhard Schröder brachte in letzter Minute dicke Aufträge der staatseigenen Bahn. Das Aus wurde zurückgenommen. Doch die Bahn konnte die politischen Vorgaben nicht erfüllen, ihr fehlte schlicht das Geld. Also musste ein anderes Konzept für Ammendorf her: Aus dem Waggonwerk sollte eine Werkstatt zur Instandhaltung für Eisenbahnfahrzeuge werden. Auch diese Idee scheiterte, weil Schröders Kollegen sich an anderer Stelle längst erfolgreich für die Erhaltung von Reparaturwerkstätten für dieselben Aufträge stark gemacht hatten – nur diesmal waren es Werke der Bahn.

Politische Rettungsaktionen sind leicht verkündet, die Folgen meist nicht bedacht. Bayerns Versuch, den Traditionskonzern Grundig über befreundete Firmen zu retten, scheiterte, der Baukonzern Philipp Holzmann konnte trotz staatlicher Hilfe nicht gegen den kollabierenden Baumarkt überleben. Das hat die Politik inzwischen begriffen. Bei Bombardier hat sie dafür zwei Anläufe gebraucht. Inzwischen ist viel Zeit verloren gegangen. Zeit, um Beschäftigungsalternativen für die Waggonbauer zu entwickeln.

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