Wirtschaft : Die richtige Finanzierung will gut überlegt sein

HEINZ RUDOLPH

Mit teurerem Kredit billiger fahren: Bank oder Leasing?VON HEINZ RUDOLPH BERLIN.Schiebedach, teilbare Rückbank, elektrische Fensterheber: All das spielt - je nach Typ - eine wichtige Rolle beim Autokauf.Doch geht das Interesse meist über die Technik hinaus: "Wie hoch ist die Monatsrate?" Nur noch etwa jedes dritte neuzugelassene Auto ist bar bezahlt, die übrigen sind finanziert.Die Angebote dafür sind vielfältig - und wer clever rechnet, kann beim Fahren tüchtig sparen.Unschlagbar günstig wirken die Kredite von Autobanken.Fast alle großen Autobauer haben inzwischen eigene Banken, die dem Autokäufer das nötige Geld vorstrecken.Schon ab 0,9 Prozent Effektivzins ist der Kredit zu haben.Zaubern können die Autobanken allerdings nicht.Die niedrigen Zinsen sind nur möglich, weil sowohl Hersteller als auch Händler den Kredit subventionieren.Der Kunde sollte jedoch daran denken, daß Hersteller Kredite vor allem für jene Autos verbilligen, die schwerer abzusetzen sind.Der Wiederverkaufswert solcher Autos ist später oft schlecht.Auf den ersten Blick ist es deutlich teurer, sich das Geld für den Autokauf bei seiner Hausbank zu besorgen statt bei der Autobank.Das kann sich schnell umdrehen: durch den Rabatt.Denn mit dem Geld der Hausbank kommt der Kunde als Barzahler zum Händler und kann feilschen.Nachlässe von über zehn Prozent sind möglich.Die Beispielrechnung für einen Kredit mit 36 Monaten Laufzeit: Die Autobank bietet ihn für 3,9 Prozent Zinsen, als Anzahlung verlangt sie 20 Prozent des Kaufpreises.Bei der Hausbank kostet der Kredit 11 Prozent Zinsen.Schon bei einem Händlerrabatt von mehr als 7,5 Prozent auf den Kaufpreis fährt der Kunde mit der Hausbank günstiger.Der Sparfuchs beläßt es natürlich nicht bei einem Kreditangebot seiner Hausbank.Vergleiche zeigen, daß zwei, drei Prozentpunkte Ersparnis bei Wahl einer anderen Bank möglich sind .Weitere Möglichkeit ist das Leasing.Manche Leasingraten liegen kaum höher als die Telefonrechnung.Sich zum Beispiel für 99 DM monatlich einen neuen Wagen vor die Tür stellen zu können, klingt verlockend.Doch nur die Leasingraten ins Kalkül zu ziehen, ist zu wenig: Fast überall wird zunächst eine Sonderzahlung fällig.Wer vernünftig rechnet, schlägt auf die Monatsrate drauf, was er sparen muß, um sich nach Vertragsablauf wenigstens eine weitere Sonderzahlung leisten zu können.Sonst beginnt nach drei Jahren - der üblichen Vertragsdauer - der neue Lebensabschnitt als Fußgänger.Vor dem leasen sollte man in jedem Fall genau lesen, nämlich die Vertragsbedingungen.Ein Leasingvertrag ist für den Laien tückisch.Nicht jedem ist zum Beispiel bekannt, daß die Raten selbst dann weiter zu zahlen sind, wenn der Kunde seinen Führerschein verloren hat und gar nicht mehr Auto fahren darf.Ein vorzeitiges Vertragsende ist nur in Ausnahmefällen möglich, zum Beispiel beim Totalschaden.Trotzdem hat dann die Leasinggesellschaft für die Restlaufzeit einen Ausgleichsanspruch.Der kann deutlich höher ausfallen als die Versicherungsleistung.Grund für diese Differenz: Die Leasinggesellschaft rechnet mit einem gleichmäßigen Wertverlust pro Jahr.Für die Versicherung zählt indes das wahre Leben: In den ersten zwei Jahren ist der Wertverlust eines Autos bekanntlich am höchsten, danach verfällt der Wert in kleineren Schritten.Ärger droht insbesondere bei der Wagenrückgabe: Gesunkene Marktpreise (beim "Restwert-Vertrag") oder ein höherer Tachostand als vereinbart (beim "Kilometer-Vertrag") können zu deftigen Nachzahlungen führen.Daneben kann es Streitereien über den Zustand des Autos geben - Dellen und Kratzer registriert der Händler sehr aufmerksam.Sinnvoll ist es stets, beim Ausfüllen des Übergabeprotokolls dabeizusein.Für Selbständige kann das Leasing aus steuerlichen Gründen interessant sein.Die Raten sind als Betriebsausgabe absetzbar, die Mehrwertsteuer fließt voll zurück.Privatleute haben indes keinerlei Steuervorteile beim Leasing.

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