Wirtschaft : Die Rückkehr der Optimisten

Dax und Dow steigen im September kräftig – trotz Finanzkrise und steigendem Ölpreis

Henrik Mortsiefer

Berlin - An den Aktienmärkten sieht es dieser Tage so aus, als gebe es keine Finanzkrise, keine Angst vor einer Rezession, keinen steigenden Ölpreis. In New York, Frankfurt und Tokio steigen die Kurse. Sie gehorchen der Anlegerlogik, wonach eine schwächere Konjunktur Druck auf die Zinsen ausübt. Nachdem die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank im September die Zinsen gesenkt und nicht, wie zunächst erwartet, erhöht haben, hoffen Anleger weltweit darauf, dass Geld noch billiger wird. Auf dem Terminmarkt wird inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von 88 Prozent auf eine weitere Senkung der US-Zinsen um 25 Basispunkte gewettet. Das würde Aktien noch attraktiver machen.

Die Rückkehr der Optimisten lässt sich an den wichtigsten Indizes ablesen: Der Dax hat im September 2,6 Prozent gewonnen, der Dow-Jones-Index 4,2 Prozent, der Nikkei 1,3 Prozent. In New York nähern sich die Kurse wieder alten Rekordständen. Das rückläufige Verhältnis von Verkaufs- und Kaufoptionen zeigt, dass die Nachfrage der Investoren nach Absicherungsinstrumenten nachlässt. Umfragen bei Anlegern aus den USA zeigen: der Optimismus hat an den Aktienmärkten wieder ein deutliches Übergewicht.

Der Stimmungsumschwung hat in den vergangenen Tagen vor allem die Monatsbilanz der Finanzaktien aufpoliert. Sie waren in den Turbulenzen der US-Hypothekenkrise abgestürzt. Dennoch standen Commerzbank (minus 4,8 Prozent), Hypo Real Estate (minus 0,8 Prozent), Deutsche Bank (minus 0,6 Prozent) und Deutsche Postbank (minus 3,2 Prozent) im September immer noch auf der Verliererseite im Dax. Dort fanden sich insgesamt zwölf von 30 Werten.

Dass der Dax den September dennoch mit einem Gewinn abschloss, lag an der sehr guten Performance einiger Schwergewichte – vor allem der Autoaktien und der krisenfesten Versorgerwerte.

Die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) brachte der Branche hohe Aufmerksamkeitswerte. Den Herstellern gelang es, ihre Neuheiten trotz Klimadebatte und Spritpreiserhöhung in ein positives Licht zu rücken. Bei Anlegern zuletzt besonders gefragt: Daimler- Chrysler (plus 8,7 Prozent). Nach der Trennung von der US-Tochter konzentriert sich der Autobauer in kleinerem Stil und mit Erfolg auf die Kernmarke Mercedes. Nach Abschluss des Sparprogramms Core ist Mercedes um Kosten in Höhe von 7,1 Milliarden Euro schlanker.

Für die weitere Entwicklung des Gesamtmarktes warnen einige Analysten vor leichtsinnigem Optimismus. „Das Vertrauen in die Geldpolitik ist zwar der Tendenz nach angesichts historischer Erfahrungen nachvollziehbar, birgt allerdings auch Enttäuschungspotenzial“, formuliert die Helaba. Die Schwäche des US-Immobilienmarktes sei noch nicht ausgestanden, die sich eintrübenden Wachstumsaussichten dürften nicht ohne Folgen für die Unternehmensergebnisse bleiben. Für Anleger heißt dies: Nur die Mutigen nehmen den goldenen September zum Anlass, jetzt schon wieder einzusteigen.

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