Wirtschaft : Die Sanierung ist überfällig (Kommentar)

Margarita Chiari

Rolf Eckrodt hat sich das Ziel hoch gesteckt: "Wir wollen weltweit die Besten sein", verkündete der Adtranz-Chef am Freitag. Das ist ehrgeizig. Denn vorerst steuert der Schienenfahrzeugkonzern durch die Niederungen des Sanierungsprogramms, und das trifft die Mitarbeiter: Weltweit werden 3000 Stellen gestrichen, sechs Werke geschlossen - und das alles schon bis Ende kommenden Jahres. Doch Eckrodt steht mit dieser Entscheidung nicht allein da. Auch bei der Konkurrenz, bei Siemens und Bombardier/DWA, werden Arbeitsplätze abgebaut.

Der harte Schnitt war überfällig. Der vielzitierte "Goldregen", die Milliardenaufträge, die die Deutsche Bahn Anfang der 90er Jahre vergab, hat vielen die Sicht verstellt. Die nötige Restrukturierung wurde aufgeschoben, um die Aufträge überhaupt termingerecht abliefern zu können. Nun sind die Probleme umso größer. Um nicht aus dem Markt geworfen zu werden, hatten die Unternehmen die Aufträge seinerzeit zu nicht kostendeckenden Preisen hereingenommen und die eigenen Fähigkeiten weit überschätzt - die Pannenserien und die hohen Verluste liefern dafür nun den Beweis.

Adtranz hat aber zudem noch mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Der aus zahlreichen Zukäufen und Fusionen entstandene Konzern ist alles andere als homogen. Zu lange hat das Management gezögert, daraus eine Einheit zu zimmern. Das rächt sich nun. Eckrodt hat noch ein gewaltiges Programm vor sich. Die Muttergesellschaft macht Druck, und auch die Konkurrenz schläft nicht. Am Ende könnte sich die Radikalkur auszahlen - auch für die noch verbliebenen Mitarbeiter. Denn deren Arbeitsplätze sind nach der Sanierung ein Stück sicherer.

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