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Die Schattenseite des Fernbus-Booms : Bahn-Konkurrent Interconnex gibt auf

Er war einer der wenigen Wettbewerber der Deutschen Bahn - der Interconnex-Fernzug von Rostock über Berlin nach Leipzig. Gegen die Fernbus-Konkurrenz hatte die Privatbahn aber keine Chance.

Carsten Brönstrup
Seit 2002 war der Zug zwischen Berlin und Rostock-Warenmünde unterwegs. Nun ist bald Schluss.
Seit 2002 war der Zug zwischen Berlin und Rostock-Warenmünde unterwegs. Nun ist bald Schluss.Foto: dpa

Der Interconnex-Zug zwischen Leipzig, Berlin und Rostock-Warnemünde wird eingestellt. Der Grund seien "stetig zurückgehende Fahrgastzahlen", erklärte der Betreiber Veolia Verkehr am Dienstag in Berlin. Der letzte Zug auf der Strecke wird demnach am 13. Dezember fahren. Seit 2002 hatte Veolia aus Frankreich den Interconnex im Angebot.

Der Interconnex war einer der wenigen Konkurrenz-Züge für die Deutsche Bahn im Fernverkehr. "Unter den aktuellen Bedingungen ist in Deutschland der Betrieb eines eigenwirtschaftlichen Fernverkehrsangebots auf der Schiene auf Dauer nicht mehr möglich", erläutert Christian Schreyer, Deutschland-Chef von Veolia Verkehr. "Wir können mit den parallel verkehrenden Fernbuslinien, die keine Straßenmaut bezahlen müssen, und deren Preisen nicht konkurrieren, wenn zugleich die Gebühren für die Nutzung der Schieneninfrastruktur der Deutschen Bahn immer weiter steigen."

Allein für eine Fahrt zahle Veolia 1700 Euro an Infrastrukturkosten. Anders als der Nah- und Regionalverkehr wird der Fernverkehr hierzulande nicht vom Staat bezuschusst. "Als wirtschaftlich handelndes Unternehmen können wir nicht Monat für Monat rote Zahlen schreiben." Veolia Verkehr habe zahlreiche Alternativen geprüft, leider ohne positives Ergebnis.

Betroffen von der Einstellung des Betriebs sind nach Angaben des Unternehmens 21 Beschäftigte. Ihnen allen würden Alternativen im Unternehmen angeboten, erklärte eine Sprecherin. Die Fahrzeuge will Veolia nicht verkaufen, sondern sie auf anderen Strecken einsetzen.

Die Fernbusse haben den Reise-Markt seit der Liberalisierung ihrer Branche durcheinander gewirbelt. Mit Kampfpreisen rangeln sie derzeit um Marktanteile, Experten nehmen an, dass die meisten Unternehmen defizitär arbeiten. Auch der Deutschen Bahn machen die Busse zu schaffen, sie will Mitte Dezember die Preise im Fernverkehr nur behutsam erhöhen. Ähnlich geht es dem privaten Unternehmen HKX, das Züge zwischen Köln und Hamburg betreibt. Sie sind zwar billiger als der Staatskonzern, aber teurer als die Busse. Jüngst musste HKX sein Angebot anpassen.

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