Wirtschaft : Die Schlacht um Michael Jacksons Besitz

Ein Hedgefonds hat die Schulden des Stars gekauft, die mit den Rechten an Beatles-Songs gesichert sind

Ethan Smith,Kate Kelly

Während Michael Jackson auf sein Urteil im Prozess wegen möglichen Kindesmissbrauchs wartet und die Geschworenen sich am Freitag zu einer weiteren Beratung zurückzogen, tobt hinter den Kulissen eine zweite Schlacht um den Popstar: eine Schlacht um sein Vermögen.

Im Mittelpunkt dieses zweiten Dramas um Jackson steht eine scheinbar einfache Frage: Muss der 46-jährige Sänger seine Beteiligung an einem renommierten Musikverlag verkaufen, um seinen Schuldenberg von 270 Millionen Dollar abzutragen? Die Frage lässt sich schwer beantworten. Jacksons Berater wechseln ständig, und es ist unklar, wer für seine Finanzangelegenheiten verantwortlich ist – falls es überhaupt jemand ist. Einige Vertraute haben ihn gedrängt, einen Teil seiner Verlagsbeteiligung zu verkaufen, um ein finanzielles Desaster zu verhindern. Andere Berater – zu denen auch der Supermarkt-Milliardär Ron Burkle gehört – halten solch einen drastischen Schritt für überflüssig. Auch der Bürgerrechtler Jesse Jackson, der mit Jackson befreundet ist, hat sich eingemischt. Unterdessen sind Jacksons Barreserven wegen seines aufwändigen Lebensstils derart zusammengeschmolzen, dass der Sänger vor einiger Zeit nicht wusste, ob er seine Stromrechnung bezahlen konnte, wenn man einem Vertrauten glauben darf.

Das Schicksal seines Vermögens liegt in den Händen des New Yorker Finanzinvestors Fortress. Das Unternehmen hat im vergangenen Monat einen Teil von Jacksons Schulden bei der Bank of America übernommen. In einer Pressemitteilung erklärte Jacksons Sprecherin Raymone K. Bain, dadurch „erhalte Mr. Jackson mehr Finanzkraft und Flexibilität“. Finanzkraft braucht der Topstar: Jackson gebe jeden Monat mehr als 1,5 Millionen Dollar aus, sagt eine Person, die mit seiner Finanzsituation vertraut ist. Allein die Pflege der Zootiere auf seiner kalifornischen Ranch Neverland verschlingt Tausende von Dollars. Das geht aus Unterlagen eines anderen Verfahrens gegen Jackson hervor.

Das Finanzdrama begann Anfang April. Damals teilte die Bank of America Jackson mit, er sei mit einem Teil seiner Darlehen in Zahlungsverzug geraten. Das Kreditinstitut forderte als Sicherheit das Wertvollste, was Jackson besitzt: seinen 50-Prozent-Anteil am Musikverlag Sony/ATV Music Publishing. Analysten schätzen den Wert des Verlags auf mehr als eine Milliarde Dollar. Obwohl die Musikbranche schwächelt, bescheren Konzerte und andere Lizenzeinnahmen den Verlagen beständig Einnahmen. Weil Sony/ATV die Rechte an berühmten Beatles-Liedern wie „Yesterday“ oder „Hey Jude“ gehören, steht der Verlag besonders gut da. Jackson könnte also seine Schuldenkrise lösen, wenn er seine Sony/ATV-Beteiligung teilweise oder komplett verkaufen würde.

Genau dazu rieten ihm im Frühling einige seiner engsten Berater, darunter ein Anwalt aus der Entertainmentbranche und ein Vertreter aus dem Musikgeschäft. Kaufinteressenten gebe es zuhauf, heißt es. Sony ist seit Jahren auf Jacksons Anteil erpicht. Und selbst der Ex-Beatle Paul McCartney habe ein Auge auf das Unternehmen geworfen, sagt ein Vertrauter. Auch nachdem Fortress einen Teil der Bankschulden übernahm, drängten Jacksons Berater ihn weiter, seinen Anteil an Sony/ATV zu verkaufen. Sie fürchten, dass das Gericht Jackson zu einer Zehn-Millionen-Dollar-Geldstrafe verurteilt, die ein Insolvenzverfahren nach sich ziehen könnte. Doch Jackson setzte sich über den Rat hinweg. Er habe eine emotionale Bindung an den Musikverlag, sagte der Sänger seinen Beratern. Nicht zuletzt aus Liebe zu den Beatles habe er sich damals an Sony/ATV beteiligt.

Der Popsänger wandte sich stattdessen an einen langjährigen Freund, obwohl der Teilhaber einer Investmentfirma wenig Erfahrung in der Musikbranche hatte. Der Milliardär habe dem Sänger erklärt, die Kreditklemme könne auch auf andere Weise gelöst werden als durch den Beteiligungsverkauf.

Was Michael Jackson zurzeit selbst vorhat, ist unklar. In der vergangenen Woche hat er sich zweimal in ein Krankenhaus einweisen lassen und verschanzt sich sonst auf seiner Ranch. Dort wartet er auf das Gerichtsurteil. Selbst wenn die Geschworenen Jackson freisprechen, sieht seine finanzielle Zukunft schlecht aus. Um wieder auf die Beine zu kommen, müsste der Popstar entweder seine Ausgaben einschränken oder als Künstler wieder ins Geschäft kommen – beides Vorhaben, die sich in der Vergangenheit als illusorisch erwiesen. Der Sänger ist übrigens der Überzeugung, dass seine Berater darauf aus seien, ihm seinen Anteil wegzunehmen und dass dies die Lawine an Problemen ausgelöst habe. Würde Jackson verurteilt, dürften diese Fragen irrelevant werden. Dann kommt der Großteil, wenn nicht sein komplettes Vermögen unter den Hammer, sagen Beobachter.

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