Wirtschaft : Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre hält eine Aktiensteuer für "hirnverbrannt"

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Die Versicherungswirtschaft mag sich bestätigt sehen, die Aktionärsschützer sind empört: "Eine Steuer auf alle Kursgewinne wäre hinverbrannt", kritisiert Anneliese Hieke von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Sollten die Gerüchte stimmen, dass Bundeskanzler Schröder (SPD) künftig alle Kursgewinne von Aktien beim Verkauf mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer belegen will, wäre das das Aus für die junge Aktienkultur in Deutschland: "Die Aktienanlage wäre tot".

Bisher gilt: Wer Aktien mit Gewinn verkauft, muss diesen dann nicht versteuern, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Glaubt man der "Märkischen Allgemeinen", will Schröder diese Spekulationsfrist unbegrenzt ausdehnen. Parallel dazu soll die Steuer auf alle Kapitalerträge von jetzt durchschnittlich 31,6 Prozent auf 25 Prozent gesenkt werden. Damit wolle der Kanzler der Forderung aus seiner eigenen Partei nachkommen, höhere Einkommen stärker in die Pflicht zu nehmen. Das Bundesfinanzministerium dementierte umgehend, dass es solche Steuerpläne gebe. Auch in der SPD-Bundestagsfraktion herrschte am Mittwoch Ratlosigkeit. Die Genossen warten mit Spannung auf den morgigen Freitag, an dem Schröder seinen Leitantrag für den SPD-Parteitag vorstellen will. Von einer Besteuerung der Aktiengewinne war bislang nicht die Rede. Um Besserverdiener stärker als bisher zu belasten, hatte die SPD vor allem über die Wiedereinführung der Vermögensteuer, eine neue Vermögensabgabe oder eine Reform der Erbschaftsteuer nachgedacht. Sollten nun tatsächlich alle Aktionäre ihre Gewinne mit dem Fiskus teilen müssen, ginge das in eine andere Richtung. Die Verteilungswirkung wäre anders, räumt man in der SPD-Fraktion ein. Aktionärsvertreterin Hieke wird deutlicher: "Kaum beteiligen sich größere Bevölkerungskreise an der Börse, wird sofort wieder überlegt, wie man diese bestrafen kann." Während in anderen Ländern Europas der Staat Kleinaktionäre aktiv unterstütze, würde man diesen in Deutschland immerzu Knüppel zwischen die Beine werfen. Von einem "Schlag gegen die Aktienkultur" spricht ihr Kollege Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch die private Altersvorsorge würde dadurch weiter erschwert. Wer versucht, mit Wertpapieren für das Alter zu sparen, hat es ohnehin schwer: Zum 1. Januar 2000 werden die Sparerfreibeträge für Zinsen und Dividenden halbiert.

Bleibt abzuwarten, was Schröder wirklich will. Einer stärkeren Aktienbesteuerung sehen aber nicht nur die Aktionäre und Fonds mit Bangen entgegen, sondern auch die Lebensversicherer, die sich über die Sorgen ihrer Konkurrenz eigentlich freuen könnten. Denn auch sie investieren in Aktienwerte - und hätten ebenfalls das Nachsehen.

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