Wirtschaft : Die Schweden jammern über deutsche Moral

JÖRGEN DETLEFSEN

STOCKHOLM .Schwedische Firmen sind über die laxe Zahlungsmoral deutscher Kunden und Auftraggeber irritiert - und das führte nun zu einer Anfrage im Stockholmer Reichstag.Ohne Erfolg jedoch: Außenhandelsminister Leif Pagrotsky "bedauerte", an den schlechten Sitten der Deutschen wenig ändern zu können.

Deutschland bezog im vergangenen Jahr Waren und Dienstleistungen aus Schweden für 15,2 Mrd.DM und ist damit das größte Abnehmerland schwedischer Firmen.Diese klagen nun zunehmend über die langen Fristen, die die deutschen Kunden sich bis zur Begleichung der Rechnungen herausnehmen.Schweden seinerseits wirbt um ausländische Investitionen unter anderem mit dem Argument, daß Rechnungen hier rascher bezahlt würden als in allen anderen europäischen Ländern.

Von dem Mißstand besonders betroffen sind kleinere Firmen, denen es an Erfahrung und effektivem Rechtsbeistand fehlt; ebenso leiden Bauunternehmen, die in Deutschland tätig sind.Der Chef des Berliner Büros des schwedischen Außenwirtschaftsrates, Olof Sandén, erklärte der Zeitung "Dagens Industri", es sei eine deutsche Unsitte, nach Fehlern in den ausgeführten Bauten zu suchen und dann mit der Mängelliste in der Hand zehnprozentige Abschläge zu verlangen.Der zwangsläufige Rechtsstreit verzögere die Zahlung der Rechnungen.

Die Reichstagsabgeordnete Carina Hägg, in deren Heimatregion Småland viele kleinere Holzbaufirmen mit Aufträgen aus Deutschland ansässig sind, wollte deshalb jetzt von Außenhandelsminister Patrosky erfahren, was die Regierung zur Verbesserung der deutschen Zahlungsmoral zu tun gedenke.Der Minister bedauerte: "50 Prozent der Firmen in Deutschland zögern absichtlich die Zahlungen hinaus.Die Sitten und Gebräuche sind dort anders.Staatssekretär Lorenz Schomerus vom Bonner Wirtschaftsministerium hat mir geantwortet, die Deutschen seien nun einmal nicht besser.Das sei eine Frage der Kultur.Nur langfristig könne man daran vielleicht etwas ändern."

Hoffnungen machen sich die Schweden auf eine kommende EU-Verordnung, wonach Rechnungen binnen 21 Tagen zu begleichen sind.Außerdem sollen bei Zahlungsverzögerung Zinsen gezahlt und die Eintreibung von Forderungen vereinfacht werden.Bis sich das durchsetzt, empfiehlt die Abgeordnete Hägg den schwedischen Firmen, sich klarzumachen, worauf sie sich bei Aufträgen aus Deutschland einlassen.Sie sollten einen "Kreditpuffer" mit ihren Banken vereinbaren und mit schwedischen Partnern in ähnlicher Lage zusammenarbeiten.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar