Wirtschaft : Die Sieger - KPN und Bell South

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So weit ihre Firmensitze auch voneinander entfernt sind, die holländische Telefongesellschaft Koninklijke KPN und der US-Regionalanbieter Bell South Corp., Atlanta/Georgia, sind sich ähnlicher, als es auf den ersten Blick scheint. Beide sind im Vergleich zu ihren Konkurrenten eher klein, und beide sind trotz des Fusionsfiebers, das sie umgibt, bisher allein geblieben - was ihnen auch ganz recht ist.

Koninklijke KPN: Die holländische Telefongesellschaft, bis zur Liberalisierung des Marktes vor zwei Jahren der Monopolanbieter im Nachbarland, hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt, die sie nun gemeinsam mit Bell South erreichen will: In Europa will sie auf den dritten Platz der Mobilfunkanbieter vorrücken. Zusätzlich will sie integrierte Gesellschaften aus Mobilfunk, Festnetz und Internet in den wichtigsten europäischen Märkten aufbauen. Die Ausgangsposition der Holländer ist im Kampf der Telefongiganten dabei keineswegs ideal: Mit einer Marktkapitalisierung von 33 Milliarden Euro (64,5 Milliarden Mark) hat KPN nur ein Viertel des Wertes von Mannesmann, und auch der Umsatz von sieben Milliarden Euro im vergangenen Jahr nimmt sich im Vergleich zu den mächtigen Nachbarn France Télécom und Deutsche Telekom recht bescheiden aus. Dass KPN nun trotzdem France Télécom einen seiner bedeutendsten Aufkäufe vor der Nase wegschnappt, hat sie vor allem ihrem neuen Partner Bell South zu verdanken. So kann sie sich auch selbst gegen feindliche Übernahmen schützen.

Bell South aus Texas ist in den USA der letzte der ursprünglich sieben Regionalanbieter, die aus der Aufspaltung von AT & T in den achtziger Jahren hervorgingen, der noch nicht mit einer anderen Gesellschaft fusioniert hat. Ein Versuch im Oktober, die Ferngesprächsgesellschaft Sprint zu kaufen, scheiterte am Geld: MCI Worldcom bot mehr. Bell South, oft als "schöne Tochter des Südens" bezeichnet, gilt daher inzwischen eher als Mauerblümchen. Der Umsatz von 23 Milliarden Dollar im Jahr 1998 ist im Vergleich zu den anderen US-Gesellschaften recht gering, und die Bell South-Aktie muss seit Jahren ohne große Kurssprünge auskommen. Da kommt die Partnerschaft mit der niederländischen KPN gerade recht - auch wenn die Südstaatler dabei abermals sehr zurückhaltend sind: Vorerst soll sich das Engagement auf einen Anteil von höchstens 24,9 Prozent an KPN beschränken.

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