Wirtschaft : Die Skepsis überwiegt

Die Konjunktur kühlt sich ab – noch hält der Dax

Daniel Rhee-Piening

Berlin – Richtig entspannt können die Börsianer nicht in die kommende Woche gehen. Nachdem der Leitindex Dax am Freitag mit 5811 Punkten fast unverändert aus dem Handel ging, verspricht auch die kommende Woche wenig Dynamik. Die Aktienmärkte haben sich in jüngster Vergangenheit zwar gut behaupten, die Stimmung trübt sich aber spürbar ein.

Der von Staud Research entwickelte Stimmungsindikator steht so schlecht wie zuletzt im Herbst 2002, darum erwarten die Beobachter von Staud, dass die Kurse um zehn oder 15 Prozent fallen könnten. Auch andere Analysten heben zunächst die dämpfenden Faktoren hervor. Die Commerzbank spricht davon, dass nicht nur für die USA, sondern auch für Europa im kommenden Jahr ein wirtschaftlicher Abschwung zu befürchten sei. In Deutschland signalisierten der ZEW-Index im August aber auch das schwächere Ifo-Geschäftsklima schon für die kommenden Monate eine spürbar geringere Dynamik. Und die Berenberg-Bank stellt für Deutschland fest: „Dem heißgelaufenen Konjunkturmotor steht eine Abkühlung bevor.“

Auf der anderen Seite versuchen die Banken den Anlegern aber auch Hoffnung zu machen, schließlich wollen sie den Aktienhandel nicht zum Erliegen bringen.

Die Mehrzahl der Marktteilnehmer gehe offenbar noch davon aus, dass es sich nur um eine „Wachstumsdelle“ handele und sich die Wirtschaft anschließend wieder relativ schnell auf Expansionskurs begebe, schreibt etwa Helaba Trust. Auch die Experten der Commerzbank hoffen auf eine gemäßigte Zinspolitik der Notenbanken und verweisen auf die relativ günstige Bewertung insbesondere der deutschen Aktien. Dies rechtfertige den „selektiven Aufbau“ einzelner Positionen. Die Bank empfiehlt hierfür vor allem die SAP-Aktie.

Ähnlich äußert sich die DZ Bank . Mit Ausnahme von Tui liege bei allen 30-Dax-Werten die Bewertung (gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis) deutlich unter den historischen Durchschnittswerten. Im Vergleich zu den USA betrage der Bewertungsabstand derzeit 14 Prozent, zudem sei der Gewinntrend bei den Aktien stabil.

In der kommenden Woche gibt es wenige Ereignisse, die den Markt bewegen könnten. Am Dienstag legt der Bayer-Konzern Zahlen für das zweite Quartal vor, am Mittwoch könnte die Schätzung des US-Wirtschaftswachstums für das zweite Quartal die Börsen beeinflussen.

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