Wirtschaft : Die Skepsis wächst bei Bombardier

Gewinnwarnung des Flug- und Bahnkonzerns vor Bekanntgabe der Quartalsergebnisse / Verkauf von Regionalflugzeugen lahmt

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Montreal/Berlin (pf/hop). Der kanadische Bahn- und Flugtechnik-Konzern Bombardier verblüffte die Börse zum Wochenende mit der ersten Gewinnwarnung (siehe Lexikon) in seiner Geschichte. Das für 2002 prognostizierte Gewinnwachstum müsse um 21 Prozent gesenkt werden, teilte Bombardier verdutzten Investoren mit. Grund dafür seien die schwache Verfassung des Marktes für Geschäftsflugzeuge in der zweiten Jahreshälfte und Kosten im Zusammenhang mit dem Konkurs der US-Fluggesellschaft US Airways. „Es ist schlimmer als wir dachten“, sagte Firmensprecherin Dominique Dionne. Auch in Deutschland hat Bombardier Probleme, hier allerdings mit der Produktion von Zügen.

Diesen Dienstag wird Bombardier die Ergebnisse des zweiten Quartals bekannt geben. Deshalb kam die Gewinnwarnung unerwartet. Bombardier hatte trotz der Turbulenzen im Luft- und Raumfahrt-Sektor hartnäcking an seinen optimistischen Prognosen festgehalten. Noch im Juni hatte Konzernchef Robert Brown auf der Hauptversammlung von einem „vielversprechenden Jahr“ gesprochen und für das Geschäftsjahr 2002 zehn Prozent Gewinnwachstum in Aussicht gestellt.

Als wachstumsträchtigste Sparten Bombardiers galten bisher Regional-Jets (RJ) und Geschäftsflugzeuge. Sie gehören zum Unternehmensbereich Luft- und Raumfahrt, der im zurückliegenden Geschäftsjahr zwölf Milliarden Dollar zum Konzernumsatz von 21,6 Milliarden Dollar beigesteuert hat. Das war gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von 14 Prozent. In den USA wollen alle großen Fluggesellschaften einen Teil ihrer Großraumflugzeuge durch kleinere, preisgünstigere Maschinen ablösen. Wenn sie sich mit diesen Plänen gegen die Gewerkschaften durchsetzen, könnte Bombardier ein Nutznießer dieser Entwicklung sein, schätzen Analysten. Andererseits gilt der weltweite Markt für Geschäftsflugzeuge mittlerweile als gesättigt. Spekulationen zufolge wird Bombardier die prognostizierte Zahl von 370 Flugzeug-Auslieferungen für 2002 stark reduzieren und am Dienstag Entlassungen ankündigen. Firmensprecherin Dionne winkte jedoch ab; ein weiterer Personalabbau sei unwahrscheinlich, sagte sie.

Stellen in Deutschland gefährdet

Bombardier besitzt in Deutschland seit 1995 die Waggonfabrik Talbot in Aachen und seit 1998 die Deutsche Waggonbau AG, Berlin. Von der Daimler-Chrysler AG übernahm Bombardier 2001 außerdem den Konkurrenten Daimler-Chrysler Railsystems GmbH (Adtranz) und rückte damit zum weltweit größten Hersteller von Schienenfahrzeugen und Bahntechnik auf.

Allerdings gefährden ausbleibende Aufträge für Regionalzüge Arbeitsplätze. Vor allem der Neigetechnikzug 612 hat sich nach Angaben aus Bahnunternehmen inzwischen als zu teuer erwiesen. Die Deutsche Bahn hat deshalb Pläne, 100 zusätzliche Züge dieser Baureihe zu bestellen, auf Eis gelegt. In einem Interview bestätigte Bombardier-Transportation-Chef Pierre Lortie kürzlich, dass mindestens 500 Arbeitsplätze in Gefahr sind. Im September wolle man mit den Betriebsräten sprechen. Besonders gefährdet sind die Werke im brandenburgischen Hennigsdorf und im sächsischen Bautzen. Erst Anfang des Jahres war der Betrieb in Ammendorf nur auf Grund einer Intervention des Kanzlers Gerhard Schröder gerettet worden.

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