Wirtschaft : „Die Smart-Shopper sind schon unterwegs“

Die Konsumforscherin Gröppel über Käufertypen, Teleshopping und Weihnachtsstimmung

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Wer schaut jetzt schon nach Geschenken?

Preisorientierte „Smart-Shopper“ suchen schon jetzt nach Sonderangeboten, die im Textilbereich oft früh gewährt werden. „Perfektionisten“ fangen ebenfalls zeitig an, nach Geschenken zu schauen – da sie genau wissen, was sie wollen.

Was gibt es noch für Typen?

„Impulsorientierte“ kaufen, was ihnen spontan gefällt. Bei ihnen spielen Dekoration und Präsentation eine große Rolle. Zugenommen hat die Gruppe der Menschen, die ökonomisch einkaufen. Sie setzten auf Gutscheine, so kann der Beschenkte frei entscheiden, wann er sich etwas kauft – zum Beispiel, wenn nach Weihnachten große Rabatte gewährt werden. „Last-Minute-Käufer“ shoppen oft erst am 23. Dezember.

Wird das Weihnachtsgeld überhaupt noch für Geschenke ausgegeben?

In der derzeitigen Lage halten die meisten das Geld zusammen. Wer allerdings nicht damit gerechnet hatte, zu Weihnachten noch eine Sondergratifikation zu bekommen, der ist ausgabefreudiger. Es könnte auch sein, dass die für 2007 angekündigte Mehrwertsteuererhöhung bereits jetzt Kaufimpulse auslöst und mehr Menschen ihr Weihnachtsgeld in die Geschäfte tragen.

Wo wird denn mehr gekauft – im Kaufhaus oder im Internet?

Es gibt einen Trend hin zu Internet und Teleshopping. Gerade für bequeme Menschen ist das in der Weihnachtszeit interessant, weil sie so Menschenmassen und lange Schlangen vermeiden können, außerdem bekommen sie die Geschenkverpackung gleich mitgeliefert. Aber kein Trend ohne Gegentrend: Viele lieben das Geschäftebummeln, weil sie dadurch erst richtig in Kauflaune versetzt werden. Gerüche, Musik, schöne Dekorationen in den Schaufenstern – viele haben Spaß daran und werden erst durch den Konsum auf Weihnachten eingestellt.

Wann kommt denn so richtig Weihnachtsstimmung auf?

Meist Ende November, so zwischen dem ersten und zweiten Advent. Wenn die Beleuchtung in den Innenstädten eingeschaltet wird und die Weihnachtsmärkte öffnen, ist das Gefühl auf einmal da.

Schafft der Rummel nicht auch Weihnachtsmüdigkeit?

Mein Eindruck ist, dass nicht mehr so extrem früh dekoriert wird. Viele Städte schmücken erst nach dem Totensonntag. Dafür wächst der Wunsch, die Weihnachtsmärkte zu verlängern – in die Zeit zwischen den Jahren hinein. Da haben die Menschen Muße, die Atmosphäre zu genießen – oder Gutscheine einzulösen.

Andrea Gröppel-Klein lehrt Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Handels- und Konsumforschung, an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Mit ihr sprach Juliane Schäuble.

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