Wirtschaft : "Die Sonderabschreibung gilt in Bonn als ungerecht"

Bald läuft das Sonderabschreibungsgesetz für Ostdeutschland und Berlin aus.Wer 1998 Steuern sparen will, muß sich beeilen und schnell kaufen.Was man beachten muß, weiß Michael Bormann, Partner der Steuerberatungskanzlei BDP Bormann, Demant & Partner.Mit ihm sprach Kathrin Spoerr.



TAGESSPIEGEL: In sechs Wochen ist es vorbei, nur noch so lange kann man mit Immobilienabschreibungen im Osten Steuern sparen.Das klingt nach viel Arbeit für einen Steuerberater.

BORMANN: Bei vielen Steuerberatern klingeln die Telefone ununterbrochen.Die Mandanten wollen die alte Sonderabschreibung nutzen, bevor das nicht mehr möglich ist.

TAGESSPIEGEL: Gibt es neue Möglichkeiten, Steuern zu sparen?

BORMANN: Vom 1.Januar an gibt es eine veränderte Förderung für Investitionenen im Osten.Das sind direkte staatliche Zulagen für Investoren.Aber diese neuen Investitionszulagen sind mit den alten Sonderabschreibungen gar nicht zu vergleichen.Je höher das Einkommen und damit die Steuerlast eines Kapitalanlegers, desto lohnender war es in der Vergangenheit, sich zu engagieren.

Das hat die Motivation besonders bei den sogenannten Besserverdienern erhöht.Die neue Regelung gewährt allen Anlegern gleiche finanzielle Vorteile.Die Bereitschaft, zu investieren, ist jedoch in den unteren Einkommensschichten viel geringer.Denn wer wenig Geld hat, kann es nicht für Immobilien ausgeben - selbst wenn es ein Geschenk obendrauf gibt.

TAGESSPIEGEL: Für den Aufbau Ost ist die neue gesetzliche Regelung also nicht gerade von Vorteil.

BORMANN: Im Gegenteil.Sie bremst ihn.Aber das war noch von der alten Bundesregierung politisch so gewollt.Und der neuen paßt dieses Förderprinzip natürlich auch besser ins Konzept.Die Sonderabschreibung gilt als ungerecht, weil Besserverdienende mehr profitieren.

TAGESSPIEGEL: Nach was fragen Ihre Mandanten jetzt?

BORMANN: Sie suchen dringend nach seriösen Abschreibungsmöglichkeiten.Sie sind sehr nervös.Die Anleger werden zugeschüttet mit Angeboten von Bauträgern.Viele davon sind unseriös - auch Anbieter von Schiffs- und Flugzeugfonds.

TAGESSPIEGEL: Sollten Anleger davon die Finger lassen?

BORMANN: Nicht in jedem Fall.Doch es stimmt, daß besonders viele unsichere Kantonisten ihr Unwesen treiben.Trotzdem: Es gibt durchaus seriöse Schiffs- und Flugzeugfonds.

TAGESSPIEGEL: Wie erkennt man die?

BORMANN: Wenn der Reeder selbst mit seinem Kapital am Fonds beteiligt ist, so ist das immer ein gutes Zeichen.Außerdem sollte auf möglichst lange Festcharter - also die Dauer der Schiffsvermietung - geachtet werden.Eine gute Regel lautet: je kleiner und je norddeutscher, desto besser ist der Fonds.Vorsicht ist hingegen geboten, wenn schon in der Beispielrechnung von illusorischen Dollar-Wechselkursen ausgegangen wird oder wenn die Steuerreform der neuen Bundesregierung unberücksichtigt bleibt: Beim Verkauf des Anteils darf also beispielsweise nicht mehr der halbe Steuersatz zugrunde gelegt werden.

TAGESSPIEGEL: Das ist doch viel zu kompliziert für einen Steuerlaien.

BORMANN: Deswegen treiben hier auch so viele schwarze Schafe Mißbrauch.Wer sich nicht auskennt, sollte einen Fachmann fragen.

TAGESSPIEGEL: Wo liegen die riskanten Punkte bei den Immobilienangeboten von Bauträgern?

BORMANN: Niemand sollte ein Objekt nur vom Schreibtisch aus kaufen.Die Immobilie sollte, insbesondere wenn es sich um eine kleinere Sache handelt, nicht zu weit vom Wohnort entfernt liegen.Ein wichtiges Indiz ist auch die Dauer der Mietpreisbindung.

TAGESSPIEGEL: Was empfehlen Sie Ihren Mandanten?

BORMANN: Zum Beispiel einen ultrakonservativen Immobilienfonds mit bankgarantierter Rendite und Rückkaufoption.Ich habe aber auch nichts gegen seriös kalkulierte Schiffs- und Flugzeugfonds.Tatsächlich macht der nahende Januar viele Anleger risikoblind.Doch oberstes Gebot ist: Ruhe bewahren.Wer vorschnell kauft, zahlt drauf.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben