Wirtschaft : Die Sonne nervt!

Tewe Pannier

Vorige Woche war es ganz schlimm, weil das Wetter so schlecht war in Deutschland. Dann ist der Neid unverhohlen, der dem Geschäftsmann in der arabischen Wüste entgegenschlägt, sobald er jemanden aus der kühlen Heimat am Telefon hat. Seufzer der Sehnsucht, fast schon Vorwürfe sind es, die da aus Europa kommen: „Du hast es gut, bei euch scheint ja immer die Sonne!“ Dann schweigt man oder lügt. Denn wer im Juni die Heizung aufdrehen muss, glaubt die Wahrheit sowieso nicht: Die Sonne nervt!

Morgens nach dem Aufwachen. Ein Leben lang habe ich neugierig aus dem Fenster geblickt und mich über das Wetter gefreut oder geärgert. Hier ziehe ich die Vorhänge zur Seite und schaue gar nicht raus. Denn Überraschungen gibt es nicht – der Himmel ist immer blau, die Sonne scheint jeden Morgen. Gestern war es kühl für die Jahreszeit. Nur 39 Grad. In drei, vier Wochen werden es wieder regelmäßig über 50 Grad sein. Gerade erörtern die Zeitungen die Frage, ob die vielen 100 000 Bauarbeiter, die überall in der Wüste Wolkenkratzer hochziehen, nicht doch eine Siesta haben sollten. Tendenz eher dagegen, denn jede Stunde Stillstand kostet Geld.

Während die armen Jungs aus Pakistan, Indien und Sri Lanka auf den Baustellen schwitzen, fliegt jeder, der es sich leisten kann, mit allen Frauen und Kindern nach Europa oder mindestens nach Beirut. Das ist für die zurückgebliebenen Geschäftsleute nicht so gut, weil die Kunden dann eher Entscheidungen treffen wie „Morgen Lunch in Cannes oder St. Tropez?“, statt sich um die Geschäfte am Golf zu kümmern. Aber vielleicht gehört Neid einfach zum Wetter, überall und immer. Neulich fragte ein Gesprächspartner am Golf: „Wo regnet es denn garantiert? Da will ich dieses Jahr den Sommer verbringen.“

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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