Wirtschaft : Die Sorge um die private Altersvorsorge regt die Kursfantasie an

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Die Diskussionen um die Krise der gesetzlichen Rente oder eine private Zwangsvorsorge nehmen den Versicherern viel Marketingarbeit ab: Nie war es leichter, Kunden von der "Versorgungslücke" zu überzeugen. Das gilt nicht nur für Deutschland. "In allen europäischen Ländern wackeln die staatlichen Rentensysteme - eine große Chance also für jene Versicherer, die überzeugende Strategien vorweisen können", sagt Marc Thiele, Versicherungs-Analyst der WestLB. Die Kurse von Versicherungsaktien könnten allein von der Story Altersvorsorge profitieren. "Wichtig ist dabei", sagt Thiele, "dass der Versicherer alles bieten kann, von der klassischen Kapitalleben- oder Rentenversicherung über Fondspolicen bis hin zu reinen Fondsanlagen." Und er muss vor allem Vermögensverwaltung für Dritte anbieten können.

Skandia gilt unter Analysten als Musterbeispiel. Die schwedische Gesellschaft hat sich zum reinen Lebensversicherer mit einem starken Asset Management gewandelt. "Das Unternehmen hat sich auf Altersvorsorgeprodukte und Asset Management konzentriert und wird das konsequent weiter verfolgen", sagt WestLB-Analyst Thiele. "Die Produkte sind innovativ und flexibel und bieten dem Kunden viel Entscheidungsfreiheit." Im Frühjahr dieses Jahres hat der Kurs der Skandia-Aktie nochmal deutlich zugelegt. Auslöser war das hohe Umsatzwachstum in den USA. Die WestLB bleibt vorerst bei ihrer Kaufempfehlung, positive Einschätzungen in jüngster Zeit kamen ebenso von der Commerzbank und Goldman Sachs.

Zu einem Überflieger hat sich in den vergangenen Wochen auch die französische Axa entwickelt: "Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr waren besser als erwartet", sagt Ralph Lutz, Analyst der HypoVereinsbank. Im Asset Management hat sich Axa schon früh ausgebreitet. "Daraus resultieren bereits knapp 16 Prozent des Ergebnisses", sagt Lutz. Er und seine Standeskollegen schätzen an der Axa zudem durchweg das straffe Management, das Zukäufe schnell und erfolgreich integriert. Kaufempfehlungen gaben jüngst Société Générale ("buy") und Morgan Stanley Dean Witter ("strong buy") an, zurückhaltender sind die WGZ-Bank und die HypoVereinsbank.

Was den Franzosen Respekt einbringt, das verursacht in der Analystengemeinde mitunter Kopfschütteln, wenn es um die italienische Generali geht. Zwar ist Generali durch die Übernahme der INA zum größten europäischem Lebensversicherer aufgestiegen - doch "Generali verheddert sich mit vielen Marken, lässt Regionalfürsten amtieren und verschenkt damit Synergiepotenziale. Außerdem fehlt ein gemeinsames Asset Management", kritisiert Carsten Zielke von der WestLB. Gleichwohl sieht er eine "überdurchschnittliche Entwicklung im Lebenbereich". Insgesamt sind die jüngsten Analysten-Einschätzungen zur Generali eher verhalten. "Neutral", sah Helaba Trust die Aktie, "hold" empfahl die Bankgesellschaft Berlin, "market perform" die Banco Santander.

Ein Sonderthema sind die großen deutschen Versicherer, Allianz und Münchener Rück. Die "Münchner Schwestern" haben in den vergangenen Monaten deutlich im Kurs zugelegt. Dies war vor allem Bundesfinanzminister Hans Eichel zu verdanken. Kurz vor Weihnachten kam sein Plan raus, die Erlöse aus Beteiligungsverkäufen ab 2002 von der Steuer zu befreien. Allianz und Münchener Rück würden davon auf besonders profitieren.In der Lebensversicherung hat die Allianz einen neuen Weg eingeschlagen: Die Kapitalleben, weiterhin von einer Steuerpflicht der Erträge bedroht, spielt im Verkauf kaum noch eine Rolle. Schon seit längerer Zeit steht die Rentenpolice im Vordergrund.

Die Münchener Rück, weltgrößter Rückversicherer, hat sich mit ihrer Mehrheitsbeteiligung am Erstversicherer Ergo, der etwa 80 Prozent seines Umsatzes im Personengeschäft (Leben- und Krankenversicherung) erzielt, unabhängiger vom Rückversicherungsgeschäft gemacht, das zuletzt hart von sinkenden Prämien im Industriegeschäft getroffen war. Die neue Asset-Managementgesellschaft Meag ist gestartet, muss sich aber erst noch durch eigene Angebote für Publikumfonds profilieren.

Vereinzelt ist zu hören, die Münchener Rück könnte versuchen, die Tochtergesellschaft Ergo durch Zukäufe im europäischen Ausland zu stärken. Problem dabei: Bei einem Zukauf mit deutschen Aktivitäten könnte Ergo die Marktführerschaft der Allianz in Deutschland angreifen. Das würde der "Schwester Allianz" allerdings wenig gefallen.

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