Wirtschaft : Die Sorgen Alan Greenspans

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Die USNotenbank Federal Reserve erklärte jüngst, dass sie sich erstmals seit einer Generation mehr um sinkende Preise sorge als um eine Inflation. Offenbar befürchtet Alan Greenspan, die US-Wirtschaft könnte ihre Probleme nach der New-Economy-Seifenblase noch nicht überwunden haben.

Die Fed verfolgt seit einigen Jahren eine lockere Geldpolitik. Die Leitzinsen liegen bei 1,25 Prozent, was die Banken liquide gemacht hat. Das leichte Geld hat geholfen, die US-Wirtschaft nach der geplatzten New-Economy-Blase zu stabilisieren, besonders durch die Finanzierung des Immobilien-Booms. Das wiederum hat Stimmung und Konsum gestärkt und das Wachstum gefestigt. Zugleich mühen sich die Firmen weiter ab, in Schwung zu kommen.

Die gute Nachricht ist die, dass diese Geldpolitik den USA bislang geholfen hat, einen weit stärkeren Abwärtstrend zu vermeiden. Die schlechte Nachricht ist, dass die Immobilienpreise nicht auf ewig um 15 bis 20 Prozent jährlich steigen können. Die Häuserpreise sind mancherorts schon gesunken, und Greenspan dürfte in Sorge sein, dass dies zu einer erneuten Rezession führen könnte.

Bezüglich dieser Deflationsangst ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass nicht alle sinkenden Preise gefährlich sind. Sinkende Preise von Waren und Dienstleistungen etwa ergeben sich häufig aus Wettbewerb und technischem Fortschritt, etwa in der PC-Branche. Die Deflation, die Greenspan vermeiden will, betrifft aber Preise von Vermögenswerten wie Immobilien. Diese Art Deflation kann eine Spirale der Stagnation hervorrufen. Deshalb wandelt Greenspan auf einem schmalen Grat. Es geht auch um seinen Ruf, denn er ist einer der wenigen wirtschaftspolitischen Top-Entscheider, die bereits vor Entstehen der Seifenblase im Amt waren.

Die Fed kann aber nicht alles regeln. Vielmehr könnte die US-Wirtschaft eine Spritze durch Steuersenkungen vertragen. So wie die ursprünglichen Pläne der Bush-Regierung. Jetzt besteht die Gefahr, dass sie verwässert werden. Steuerkürzungsgegner behaupten, Greenspan wäre gegen den Plan, aber das stimmt nicht. Er äußert sich stets befürwortend, doch er wünscht dazu entsprechende Etatkürzungen. In jedem Fall ist Greenspans Hauptaufgabe die Geldpolitik, und dort ist seinem Wort Gewicht beizumessen.

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